40 Jahre BFW Nürnberg

2018 feiert das BFW Nürnberg 40-jähriges Bestehen. Das Jubiläum bietet eine gute Gelegenheit, sich eine wichtige sozialrechtliche Errungenschaft ins Gedächtnis zu rufen: In den 1960ern wurde die berufliche Förderung von Menschen mit Behinderung aufgebaut und im Sozialgesetzbuch verankert. Der Leitsatz „Reha vor Rente“ war geboren. So haben auch Menschen, die ihren bisherigen Beruf gesundheitsbedingt nicht mehr ausüben können, ein Recht auf Arbeit – und ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben. Doch leicht ist der Schritt in die neue berufliche Zukunft nicht immer. Die Betroffenen müssen die Anforderungen des neuen Berufs mit der Behinderung in Einklang zu bringen.

Seit dem Jahr 1978 ebnet das BFW Nürnberg diesen oft steinigen Weg. Auf dieser Seite finden Sie alles rund um das Jubiläumsjahr sowie spannende Einblicke in vier Jahrzehnte berufliche Rehabilitation in Nordbayern.

40 Jahre BFW Nürnberg - Festakt zum Jubiläum

„Jeder Einzelne zählt"
Am 19. Juli 2018 feierte das BFW Nürnberg sein 40-jähriges Bestehen. Die Botschaft des Festakts: Jedes einzelne Schicksal zählt. Rund 80 Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie Reha-Träger waren der Einladung in die Aula des BFW Nürnberg gefolgt, um die prominenten Gastredner zu hören und miteinander ins Gespräch zu kommen. Für Unterhaltung zwischen den Reden sorgte der fränkische Kabarettist Mäc Härder sowie das Musiker-Duo Wulli Wullschläger & Sonja Tonn.

Weiterlesen!

„Jeder Einzelne zählt"

Am 19. Juli 2018 feierte das BFW Nürnberg sein 40-jähriges Bestehen. Die Botschaft des Festakts: Jedes einzelne Schicksal zählt. Rund 80 Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie Reha-Träger waren der Einladung in die Aula des BFW Nürnberg gefolgt, um die prominenten Gastredner zu hören und miteinander ins Gespräch zu kommen. Für Unterhaltung zwischen den Reden sorgte der fränkische Kabarettist Mäc Härder sowie das Musiker-Duo Wulli Wullschläger & Sonja Tonn.

Eröffnet wurde der Festakt von Werner Krempl, Erster Direktor der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Nordbayern, der betonte, dass berufliche Rehabilitation ein wesentlicher Auftrag der DRV sei. Der Leitsatz "Reha vor Rente" sei nach wie vor aktuell. Ulrike Mascher, Ehrenpräsidentin des VdK Deutschland, sieht eine neue Zielgruppe auf die Berufsförderungswerke zukommen. Der „Mensch 45+" rücke aufgrund des steigenden Renteneintrittalters in den Fokus.


Dass jeder Einzelne zähle, betonte die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales Kerstin Schreyer: „Trotz des Rekordtiefs der Arbeitslosenquote in Bayern gilt es jenen zu helfen, die nicht auf der Sonnenseite stehen.“


Den hohen Stellenwert, den das BFW Nürnberg insbesondere für die Metropolregion besitze, hob Harald Riedel, Kämmerer der Stadt Nürnberg, hervor. Er würdigte außerdem die gute Zusammenarbeit bei der Vermittlung von Verwaltungsfachangestellten (VFA). Bereits seit 2015 folgt die Stadt Nürnberg der Einladung ins Reha-Zentrum und führt vor Ort Vorstellungsgespräche mit angehenden VFA.


Welche Bedeutung berufliche Rehabilitation für den Einzelnen hat, zeigte sich beim Podiumsgespräch mit vier ehemaligen und aktuellen Teilnehmenden. Die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden skizzierten ihren Weg in die berufliche Reha und gaben Einblicke in die persönlichen Herausforderungen. Wie weitreichend die Folgen beruflicher Reha sind, zeigte sich insbesondere bei der Schilderung von Norbert Woschek, Teilnehmer der ersten Stunde. Im Gründungsjahr 1978 begann er eine Umschulung zum Zahntechniker im Reha-Zentrum. Und arbeitete danach rund dreißig Jahre in dem Beruf.


Zukunftsgerichtet waren die Schlussworte von Geschäftsführerin Dr. Susanne Gebauer. Sie dankte insbesondere den Gesellschaftern für die vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit, die dem BFW Nürnberg eine gut Perspektive böte. Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben seien nun gefragt. Gute Chancen sehe sie hier in dem Bundesprogramm „rehapro" für das sich das BFW Nürnberg als Kooperationspartner beworben habe. "Wir wollen unsere Erfahrung einbringen, neue Ideen für mehr Teilhabe und Inklusion zu entwickeln", so Dr. Gebauer.

Blick hinter die Kulissen – Das war der Tag der offenen Tür

Einblicke in die Ausbildung
Geöffnete Lernorte, Führungen durch Ausbildung und Freizeitbereiche sowie zahlreiche Mitmachaktionen: Am Samstag, den 5. Mai 2018 konnten Interessierte einen Blick hinter die Kulissen des Reha-Zentrums, der Geschäftsstelle Nürnberg-Nord und der benachbarten ERPEKA werfen. Mehr als 1.300 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit und informierten sich vor Ort über die unterschiedlichen Abteilungen des BFW Nürnberg. Eine interne Arbeitsgruppe mit Vertretern aus den Bereichen Ausbildung, Personal, Internatsdienst, regionale Qualifizierung und Marketing plante den Tag der offenen Tür – realisiert wurde er mit viel Engagement, Kreativität und Liebe zum Detail von dem gesamten BFW-Team sowie den Teilnehmenden.

Weiterlesen!

Einblicke in die Ausbildung

Geöffnete Lernorte, Führungen durch Ausbildung und Freizeitbereiche sowie zahlreiche Mitmachaktionen: Am Samstag, den 5. Mai 2018 konnten Interessierte einen Blick hinter die Kulissen des Reha-Zentrums, der Geschäftsstelle Nürnberg-Nord und der benachbarten ERPEKA werfen. Mehr als 1.300 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit und informierten sich vor Ort über die unterschiedlichen Abteilungen des BFW Nürnberg. Eine interne Arbeitsgruppe mit Vertretern aus den Bereichen Ausbildung, Personal, Internatsdienst, regionale Qualifizierung und Marketing plante den Tag der offenen Tür – realisiert wurde er mit viel Engagement, Kreativität und Liebe zum Detail von dem gesamten BFW-Team sowie den Teilnehmenden.

Zu sehen gab es einiges: Neben der Geschäftsstelle Nürnberg-Nord waren die meisten Lernorte der Ausbildung in der Schleswiger Straße sowie Reha-Medizin, Reha-Vorbereitung, RehaAssessment® für die Besucherinnen und Besucher geöffnet. Diese kamen nicht nur zahlreich, sondern freuten sich besonders über die Mitmach-Angebote. Beispielsweise wurden in der IT sogenannte Virtual-Reality-Brillen gebastelt, in der Reha-Vorbereitung mit Interessierten Tetraeder gebaut, in der Reha-Medizin Blutdruck gemessen und im RehaAssessment® konnte man das mobile Erfahrungsfeld der Sinne erleben. Auch die Turnhalle war geöffnet: Nach Bogenschießen und einer Schnupperstunde Jumping-Fitness spielten beim Volleyball-Turnier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen Teilnehmende vor den Augen zahlreicher Zuschauer und Zuschauerinnen. Die Mannschaft der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden gewann übrigens mit großem Vorsprung.

Rückblick auf 40 Jahre berufliche Rehabilitation in Nordbayern

Zum 40-jährigen Jubiläum haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BFW Nürnberg eine Jubiläumsbroschüre gestaltet. Nachfolgend finden Sie die einzelnen Inhalte.

Und hier geht es zur pdf-Version:

Verlässliche Partner seit 40 Jahren

Grußwort Werner Krempl
Liebe Leserinnen und Leser, die Digitalisierung bestimmt derzeit die Diskussion über die Zukunft von Dienstleistungen, der industriellen Produktion sowie der Arbeit in den Betrieben und Verwaltungen. Angesichts dieses Wandels kommt der Qualifizierung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für neue oder veränderte berufliche Aufgaben eine immer größere Bedeutung zu.

Weiterlesen!

Grußwort Werner Krempl

Liebe Leserinnen und Leser, die Digitalisierung bestimmt derzeit die Diskussion über die Zukunft von Dienstleistungen, der industriellen Produktion sowie der Arbeit in den Betrieben und Verwaltungen. Angesichts dieses Wandels kommt der Qualifizierung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für neue oder veränderte berufliche Aufgaben eine immer größere Bedeutung zu.

Auch die Berufsförderungswerke, als berufliche Fördereinrichtungen für Menschen mit Behinderungen, müssen dafür gewappnet sein. Die zentrale Botschaft lautet: offen und qualifiziert der Zukunft entgegen – wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das Berufsförderungswerk Nürnberg eröffnet den Rehabilitandinnen und Rehabilitanden durch berufliche Qualifizierungsangebote und vielfältige Hilfestellungen Perspektiven und Chancen auf ein selbstbestimmtes, zukunftsfähiges Leben. Dieses Angebot wird aber nur dann im Einzelfall erfolgreich sein, wenn der Einzelne auch aktiv und engagiert mitwirkt. Das BFW Nürnberg hat sich mit seinem Angebotsportfolio auf dem Reha-Markt gut positioniert und sich zu einem unternehmensnahen Leistungsanbieter weiterentwickelt. Die Maßnahmen werden nicht nur ausschließlich in der Nürnberger Zentrale durchgeführt – wir zeigen Präsenz in der Fläche. Mittlerweile gibt es 17 Geschäftsstellen, die vor Ort ambulante Alternativen anbieten. Damit steht ein flächendeckendes Angebot zur Verfügung. Auch der Gesetzgeber hat zum 01.01.2018 mit dem Bundesteilhabegesetz eine weitreichende Überarbeitung des SGB IX vorgenommen. Er trägt damit zur Stärkung von Selbstbestimmung und Selbstverantwortung der Menschen mit Behinderungen sowie zur Förderung einer möglichst unbeschränkten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bei. Der Blick auf all das in den letzten vier Jahrzehnten Erreichte gibt Vertrauen und Zuversicht für die Zukunft.

Werner Krempl Erster Direktor der DRV Nordbayern  

Grußwort von Ulrike Mascher
Seit 40 Jahren steht das Berufsförderungswerk Nürnberg im Raum Nordbayern für Beständigkeit und Veränderung zugleich. Beständigkeit deswegen, weil es den Menschen, die aus Gründen wie Krankheit oder Unfall ihren alten Beruf nicht mehr ausüben können, seit seiner Gründung verlässlich den Weg in eine neue berufliche Zukunft eröffnet.

Weiterlesen!

Grußwort von Ulrike Mascher

Seit 40 Jahren steht das Berufsförderungswerk Nürnberg im Raum Nordbayern für Beständigkeit und Veränderung zugleich. Beständigkeit deswegen, weil es den Menschen, die aus Gründen wie Krankheit oder Unfall ihren alten Beruf nicht mehr ausüben können, seit seiner Gründung verlässlich den Weg in eine neue berufliche Zukunft eröffnet.

Und Veränderung, weil sich das BFW Nürnberg wie der Arbeitsmarkt selbst dem ständigen Wandel der Arbeitswelt und ihrem Innovationsdruck als auch den sich immer wieder ändernden sozialgesetzlichen Rahmenbedingungen für berufliche Rehabilitation unterwerfen muss. Hinzu kommt, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten auch die Rehabilitationsursachen gewandelt und Diagnosen psychischer und seelischer Beeinträchtigungen an Bedeutung gewonnen haben. Das BFW Nürnberg bietet keine Standardleistungen an. In jedem Einzelfall wird geprüft, welche Maßnahmen individuell sinnvoll sind.

Rehabilitation vor Rente, Selbstbestimmung, Individualisierung, Inklusion, Qualifizierung und Prävention sind die Leitlinien der täglichen Arbeit von mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als starke, unabhängige Interessenvertretung für Menschen mit Behinderung, für alle Sozialversicherten und Senioren mit mehr als 1,9 Millionen Mitgliedern bundesweit und rund 670.000 Mitgliedern bayernweit ist dem Sozialverband VdK die Verwirklichung der Chancengleichheit von Menschen mit und ohne Behinderung auf dem Arbeitsmarkt ein zentrales Anliegen. Daher setzen wir uns gerne als Gesellschafter und Träger des BFW Nürnberg für eine neue Perspektive für gesundheitlich beeinträchtigte Menschen ein.

Ulrike Mascher Ehrenpräsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland e.V. und Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Bayern e.V.

Neuland, Professionalisierung, Neuausrichtung, Vernetzung

40 Jahre BFW Nürnberg - eine Chronik von Geschäftsführerin Dr. Susanne Gebauer mit Unterstützung von den ehemaligen Geschäftsführern Reiner Eggerer und Anton Neubauer,

Vorgeschichte
Zunächst ein kurzer Blick zurück in die BRD der 1960-er Jahre: Es gilt als das Jahrzehnt des starken und anhaltenden Wirtschaftswachstums, die Bundesanstalt für Arbeit vermeldet „Vollbeschäftigung“. So lag beispielsweise die Arbeitslosenquote im damaligen Landesarbeitsamtsbezirk Nordbayern im Jahr 1968 durchschnittlich bei 2,5 Prozent.

Weiterlesen!

Vorgeschichte

Zunächst ein kurzer Blick zurück in die BRD der 1960-er Jahre: Es gilt als das Jahrzehnt des starken und anhaltenden Wirtschaftswachstums, die Bundesanstalt für Arbeit vermeldet „Vollbeschäftigung“. So lag beispielsweise die Arbeitslosenquote im damaligen Landesarbeitsamtsbezirk Nordbayern im Jahr 1968 durchschnittlich bei 2,5 Prozent.

Allerdings – so konstatierte die Bundesregierung in ihrem Sozialbericht vom Jahr 1970 – „gibt es große soziale Gruppen, die aus eigener Kraft nicht an der allgemeinen Wohlstandssteigerung und am sozialen Fortschritt teilhaben“. Verwiesen wurde hier insbesondere auf die Gruppe von rund 4 Millionen Behinderten – davon etwa 1,2 Millionen Kriegsbeschädigte, mehr als 1,5 Millionen Frühinvalide und rund 500.000 behinderte Kinder und Jugendliche. Ihnen sollen verstärkt Hilfen zur Eingliederung oder Wiedereingliederung in Arbeit, Beruf und Gesellschaft zuteil werden.

Zur Umsetzung dieser politischen Zielsetzung verkündete der damalige Bundesarbeitsminister Walter Arendt im April 1970 das „Aktionsprogramm der Bundesregierung zu Förderung der Rehabilitation der Behinderten“. Das Programm knüpft an die mit dem Berufsbildungsgesetz und dem Arbeitsförderungsgesetz im Vorjahr auch für behinderte Menschen neu geregelten Rechtsansprüche an und konkretisiert die über die öffentliche Hand anzugehenden Maßnahmen – angefangen von der besseren Koordinierung der Leistungen im gegliederten Sozialsystem über die Beratung bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit.

Ein wesentlicher, sehr konkret formulierter Punkt beschreibt die Schaffung von bis dahin fehlenden Einrichtungen der Rehabilitation – namentlich hier auch „zur beruflichen Umschulung von Behinderten“. Nach den Planungen zur regionalen Verteilung der Einrichtungen war von bundesweit 21 BFW eines in Nürnberg vorgesehen. Um die Trägerschaft bemühte sich der VdK Deutschland und gründete dafür am 5. Dezember 1970 das „Rehabilitationswerk des VdK Deutschland“ als gemeinnützige GmbH.

Schon am 12. Januar 1971 übertrug das Bundesarbeitsministerium dieser Gesellschaft die Trägerschaft für das in Nürnberg zu errichtende BFW. Nach einer rund drei Jahre währenden Orientierungs-, Planungs- und Abstimmungsphase mit den Arbeitsministerien des Bundes und des Freistaates Bayern, der Bundesanstalt für Arbeit, den Berufsgenossenschaften und der Landesversicherungsanstalten Unterfranken wurde schließlich unter der Federführung der Landesversicherungsanstalt Oberfranken und Mittelfranken am 4. November 1974 eine erweiterte Trägerschaft „Berufsförderungswerk Nürnberg“ als gemeinnützige GmbH in Nürnberg gegründet. Als kommissarischer Geschäftsführer war zunächst Herr Regierungsdirektor Christian Schröppel (LVA Oberfranken und Mittelfranken) eingesetzt, ein halbes Jahr später dann abgelöst durch den hauptamtlich berufenen Geschäftsführer, Herrn Direktor Ernst A. Eue. Gesellschafter waren:

  • Rehabilitationswerk des VdK Deutschland gemeinnützige GmbH VdK Deutschland,
  • Landesverband Bayern e.V. Landesversicherungsanstalt Oberfranken und Mittelfranken
  • Landesversicherungsanstalt Unterfranken

Am 27. Januar 1975 traten noch folgende Institutionen in diese Trägerschaft ein:

  • Landesversicherungsanstalt Niederbayern-Oberpfalz
  • Landesversicherungsanstalt Schwaben

An dieser Eigentümerstruktur hat sich bis heute – abgesehen vom Übergang der ursprünglich fünf bayerischen Landesversicherungsanstalten in die drei bayerischen Regionalträger Deutsche Rentenversicherung Nordbayern, Bayern Süd und Schwaben – im Grunde nichts verändert. Verändert hat sich seither allerdings (fast) alles andere – die handelnden Menschen, die Arbeitswelt und die Berufsbilder, die Anforderungen der Rehabilitationsträger, das Leistungsangebot und die dazugehörigen Reha-Konzepte, der Gebäudebestand, die Beteiligung und Kooperation an und mit anderen Unternehmen – und generell natürlich wie in jedem Betrieb: Die (zunehmend digitalisierten) Arbeitsabläufe. Die markanten Punkte der vergangenen vierzig Jahre werden nachfolgend in vier Etappen zusammengefasst.

1978 bis 1987
Auch wenn bei der offiziellen feierlichen Eröffnung am 18. Mai 1978 sowohl baulich also auch personell noch nicht alles komplett war: Gestartet wurde mit insgesamt 137 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie neun Berufsangeboten, welche in der Summe bereits von 275 Rehabilitandinnen und Rehabilitanden genutzt wurden.

Weiterlesen!

1978 bis 1987

Auch wenn bei der offiziellen feierlichen Eröffnung am 18. Mai 1978 sowohl baulich also auch personell noch nicht alles komplett war: Gestartet wurde mit insgesamt 137 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie neun Berufsangeboten, welche in der Summe bereits von 275 Rehabilitandinnen und Rehabilitanden genutzt wurden.

Dazu gehörten: zwei Büroberufe (Industrie- und Bürokaufmann/-frau), vier Metallberufe (Feinmechaniker/-in, Dreher/-in, Fräser/-in, Mechaniker/-in), zwei elektrotechnische Berufsangebote (Nachrichtengerätemechaniker/-in und Informationselektroniker/-in) sowie der Beruf „Zahntechniker/-in“. Die besonderen Hilfen (damals noch bezeichnet als „Medizinischer Dienst“, „Sozialdienst“ und „Psychologischer Dienst“) waren bereits etabliert, ebenso das achtgeschossige Wohngebäude mit 256 Einzelzimmern und 96 Doppelzimmern, die Verpflegung mit einer eigenen Küche sowie ein damals eher noch auf Gruppenaktivitäten ausgelegtes Sport- und Freizeitangebot.


Statistisch betrachtet war der Teilnehmende im ersten Betriebsjahr zu 90 Prozent männlich, knapp über 30 Jahre alt und der Reha- Träger mit über 80 Prozent die Rentenversicherung. Die Schwierigkeiten der ersten Jahre bestanden anfangs in der fehlenden Auslastung gegenüber der zur Betriebsaufnahme angenommenen „Netzplankapazität“ von 520 Plätzen, die später auf 630 Plätze erhöht wurde.

Schwierig erwies sich auch damals bereits die Verteilung der Nachfrage auf die Berufsangebote. Unter Arbeitsmarktoptionen und besserer Vermittelbarkeit wurde die Kapazität im gewerblichen Berufsspektrum ursprünglich höher dimensioniert. Doch bereits während der ersten beiden Jahre zeigte sich, dass die kaufmännisch-verwaltenden Berufe deutlich mehr als gedacht nachgefragt werden. Vor diesem Hintergrund wurden bereits 1980 die kaufmännischen Kapazitäten von 150 Plätzen auf insgesamt 200 aufgestockt, ergänzend dazu ebenfalls die Reha-Vorbereitung. In der Umsetzung des sogenannten 20. Anpassungsgesetzes ergab sich eine Verschiebung in der überwiegenden Reha-Trägerschaft – weg von der Rentenversicherung, hin zur Arbeitsverwaltung. Und vor dem Hintergrund anhaltender Konjunkturschwäche, stark anwachsender Arbeitslosigkeit und der von der Bundesregierung im Jahr 1983 verfolgten Rücknahme sozialer Leistungen  zur Haushaltskonsolidierung wurden auch spürbare Kostensenkungen im Bereich der beruflichen Rehabilitation realisiert, was sich entsprechend beim BFW Nürnberg niederschlug.

Dieser Belegungsrückgang konnte bereits im Jahr 1985 überwunden werden – nicht zuletzt durch die Verlängerung der beruflichen Förderdauer von 21 auf 24 Monate. Die restlichen drei Jahre des ersten Jahrzehnts waren gefüllt mit Neuerungen und Weiterentwicklung, so zum Beispiel

  • 1985: Die Einführung des Berufsangebots „Verwaltungsfachangestellte/-r, Fachrichtung Kommunalverwaltung“
  • 1986 ff.: Eine über den Kapazitäten liegende, erhöhte Nachfrage, teilweise Auslagerung der Reha-Vorbereitung nach Ansbach/Strüth; parallel Bau des kaufmännischen Ausbildungsgebäudes
  • Beginnend 1987: Die Neuordnung Metall- und Elektroberufe

1988 bis 1997
Das zweite Betriebsjahrzehnt war für das BFW Nürnberg eine Phase der Professionalisierung und Erweiterung.

Weiterlesen!

1988 bis 1997

Das zweite Betriebsjahrzehnt war für das BFW Nürnberg eine Phase der Professionalisierung und Erweiterung.

Besonders einprägsam in Erinnerung ist den damals beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch eine sehr besondere Aufgabe, die dem BFW Nürnberg mit dem Mauerfall der dann im Jahr 1990 vollzogenen Wiedervereinigung zuwuchs: Die Patenschaft für den Aufbau des Berufsförderungswerks Dresden. Die weiteren besonderen Aktivitäten und Ereignisse waren:

  • 1988: Inbetriebnahme des neuen kaufmännischen Ausbildungsgebäudes
  • 1989: Auslaufen des Berufs „Zahntechniker/-in“, dafür Einführung des Berufs „Technische/-r Zeichner/-in“ (mittlerweile: Technische/-r Produktdesigner/-in mit zwei Fachrichtungen)
  • 1989: Gemeinsam mit der Stadtmission Nürnberg Gründung der ERPEKA Nürnberg gemeinnützige GmbH, einer Einrichtung der kombinierten medizinischberuflichen Rehabilitation für psychisch kranke und behinderte Menschen; Bau und Ausbau der Betriebs- und Wohngebäude, offizielle Eröffnung im Jahr 1992
  • 1992: Inbetriebnahme des neuen Wohngebäudes mit Aula und Tagungsräumen
  • 1992: Wechsel in der BFW-Geschäftsführung – Verabschiedung Herr Direktor Ernst A. Eue, Neuberufung Herr Direktor Anton Neubauer
  • 1994: Einführung des Berufsangebots „Ver- und Entsorger“ (mittlerweile: Fachkraft für Abwassertechnik) sowie Fachgehilfe in steuer- und wirtschaftsberatenden Berufen (später: Steuerfachangestellte; wurde noch bis zum Jahr 2007 angeboten)
  • 1995: Einführung des vorab modellhaft erprobten Konzepts der handlungsorientierten Ausbildung und Bildung von Reha-Teams zur interdisziplinären Zusammenarbeit der Ausbildungsteams mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Fachdienste
  • 1996: Erwerb eines zusätzlichen Grundstücks zur Errichtung einer Ausbildungsgärtnerei

Die beginnend mit dem Jahr 1991 im wiedervereinigten Deutschland jährlich ansteigende Arbeitslosigkeit war im Jahr 1997 auf ihrem vorläufigen Höhetpunkt – mit einer Gesamtarbeitslosenquote von 11,4 Prozent. Vor diesem Hintergrund wurde seitens der Rehabilitationsträger der Bedarf für weitere Reha-Angebote ins Gespräch gebracht, die neben der klassischen zweijährigen beruflichen Neuqualifizierung ein kürzeres Qualifizierungsangebot mit Integrationsunterstützung bieten. Davon ausgehend entwickelte das BFW Nürnberg gemeinsam mit den Reha-Trägern ein ambulantes und wohnortnahes Maßnahmekonzept – die sogenannte „Integrationsmaßnahme zur direkten Wiedereingliederung von Rehabilitandinnen und Rehabilitanden (IWR)“ und eröffnete 1996 am Nürnberger Schillerplatz seine erste Geschäftsstelle. Bereits im Jahr darauf wurden in Ansbach und Weißenburg zwei weitere Standorte in Betrieb genommen und zusätzlich ein Konzept für eine begleitete betriebliche Umschulung für Rehabilitandinnen und Rehabilitanden entwickelt – die „Rehabilitation in Kooperation mit Betrieb und Berufsschule (RiB)“.

1998 bis 2007
Eine sich auf alle Berufsförderungswerke grundsätzlich auswirkende Änderung vollzog sich nach vorangegangenem Diskurs in den Jahren 1998/1999. Über die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Berufsförderungswerke wurde mit den Reha- Trägern ein neuer Rahmenvertrag entwickelt, der das bis dahin geltende „Kostenerstattungsprinzip“ zugunsten von Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Einrichtungen ablöst.

Weiterlesen!

1998 bis 2007

Eine sich auf alle Berufsförderungswerke grundsätzlich auswirkende Änderung vollzog sich nach vorangegangenem Diskurs in den Jahren 1998/1999. Über die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Berufsförderungswerke wurde mit den Reha- Trägern ein neuer Rahmenvertrag entwickelt, der das bis dahin geltende „Kostenerstattungsprinzip“ zugunsten von Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Einrichtungen ablöst.

Die damit gleichzeitig vereinbarten Grundsätze zur Leistungserbringung sowie zur Vereinbarung und Anpassung von Kostensätzen hat sich insofern bewährt, als dass sie bis zum heutigen Tag gilt und die Zusammen-arbeit als solche fixiert. Mit weniger Direktwirkung, dennoch für die Stärkung des rechtlichen Rahmens eines Berufsförderungswerks nachhaltig wirkend, fiel in diesen Zeitraum zunächst die Einführung des Sozialgesetzbuchs IX, welches die Selbstbestimmung und Teilhabe der Menschen mit Behinderungen aufgreift und differenzierter als in den Vorgängernormen regelt. Und im Jahr 2006 verabschiedeten die Vereinten Nationen die UN-Behindertenrechtskonvention, die hierzulande zunächst unter dem Leitbegriff „Inklusion“ an Bekanntheit gewonnen und für Diskussionsstoff und konzeptionelle Überarbeitungen gesorgt hat.

Unterhalb dieser großen Entwicklungslinien kam es im BFW Nürnberg zu einem sehr bedrohlichen und traurigen Ereignis: Im Januar 2000 kam es zu einem Brand im Aufenthaltsbereich des Wohngebäudes. Von den insgesamt zehn Verletzten erlag ein Rehabilitand den Brandverletzungen und verstarb. Nachdem das Landeskriminalamt von Brandstiftung ausging, wurden erhöhte Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Im Folgejahr kam es nochmals zu Brandanschlägen, die aufgrund der polizeilichen Ermittlungen insoweit zum Erfolg geführt haben, als dass der Brandstifter überführt werden konnte.

Darüber hinaus war das dritte Betriebsjahrzehnt geprägt von Konzeptentwicklungen und Neuerungen, unter anderem:

  • 1998: Aufbau eines Qualtiätsmanagementsystems u. Erstellung des Qualtitätshandbuchs Erweiterung des Geschäftsstellennetzes (1998: Bamberg, Coburg, Schweinfurt, 1999: Neumarkt;
  • 2001: Hof; 2002: Bayreuth; 2003: Weiden; 2004: Würzburg; 2005: Schwäbisch Hall; 2006: Aschaffenburg) sowie Entwicklung neuer ambulanter Angebote war eine wichtiger innovativer Schritt, um die damalige Krise in der stationären Reha ohne Entlassung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu überstehen
  • 1999: mit der Eröffnung der Ausbildungsgärtnerei (Beginn der Ausbildung von gärtnerischen Berufen) sowie ebenfalls 1999 die damals allgemein neu eingeführten IT-Berufe den ersten Schritten und der im Jahr 2001 vollzogenen Gründung des IFD Mittelfranken – gemeinsam mit damals noch neun (mittlerweile 13) weiteren Gesellschaftern der Einführung eines Integrationskonzeptes (z. B. Bewerbungstraining, gezielte Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche) mit 6-monatiger Nachbetreuung der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden
  • 2002: vertragliche Anbahnung und Koordination einer Bildungspartnerschaft mit SAP zur integrationsorientierten Qualifizierung der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden für mittlerweile 13 Berufsförderungswerke
  • 2002: Entwicklung von individuellen Reha-Angeboten für Menschen mit Aphasie (in Kooperation mit der Fachklinik Herzogenaurach) und später für Menschen mit Hörbehinderung
  • 2003: Geschäftsführerwechsel mit Verabschiedung von Herrn Direktor Anton Neubauer und Neuberufung von Herrn Direktor Reiner Eggerer
  • 2003-2005: Weiterentwicklung des BFW mit dem Ziel, die Eigenverantwortlichkeit und das unternehmerische Handeln der Führungskräfte aber auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stärken und zu fördern
  • 2004 - 2008: Einführung neuer kaufmännischer Berufsbilder (zunächst Kaufmann/ Kauffrau im Gesundheitswesen, später abgelöst von Kaufmann/Kauffrau für Großund Außenhandel, Fachrichtung Großhandel) 2005: erstmals durchlaufenes Zertifizierungsverfahren nach DIN EN ISO 9001
  • 2005: auf Ebene der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Berufsförderungswerke entwickelten Kooperationsvereinbarung für ein im Auftrag der Krankenkassen durchgeführtes Case Management
    der aktiven Beteiligung bei innovativen Projekten – für die Themen Arbeitsmarkt und berufliche Qualifizierung auf der Projektschiene der Europäischen Union, bei der Entwicklung von präventiven Ansätzen zur Umsetzung des betrieblichen Eingliederungsmanagements zuletzt insbesondere das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit Mitteln der Ausgleichsabgabe geförderte Projekt „Gesunde Arbeit“

Eine für alle Berufsförderungswerke einschneidende Entwicklung ergab sich schließlich in der Umsetzung der Hartz-Reformen. Durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung evaluiert, hat sich die Anerkennung von Rehabilitandinnen und Rehabilitanden im Wiedereingliederungsbereich mit dem Inkrafttreten des SGB II deutlich reduziert. Auch auf das BFW Nürnberg hat sich das unmittelbar ausgewirkt. Dass betriebsbedingte Kündigungen umgangen werden konnten, lag primär daran, dass die Nachfrage in den Geschäftsstellenstandorten tendenziell zunahm und sich somit fallweise ein alternativer Arbeitsplatz anbot.

Zur Ausnutzung der räumlichen Ressourcen und Entwicklung eines neuen Angebots konnte mit Zustimmung der institutionellen Förderer erreicht werden, dass der im Jahr 1993 als zweiter Wohnbereich mit Aula und Tagungsräumen errichtete Bauteil ab 2006 als Ausbildungshotel umgenutzt werden durfte. Der Ausbildungsbetrieb „bfwhotel“ erfreut sich seither wachsender Nachfrage, insbesondere für Tagungen, aber auch für Geschäftsreisende. Und es werden dort kontinuierlich Hotelfachleute ausgebildet. Der ebenfalls im Krisenjahr 2005/2006 durch das BFW Nürnberg eingeschlagene Weg war schließlich die Beteiligung an Ausschreibungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit. Der erfolgte Zuschlag und die Erfahrung aus der ersten Durchführung der Aktivierungsund Integrationsmaßnahmen schlägt die Brücke zum vierten Betriebsjahrzehnt des Berufsförderungswerks Nürnberg.

Parallel zu diesen betrieblichen Maßnahmen hat sich das BFW Nürnberg ab dem Jahr 2006 auch in das auf Ebene der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Berufsförderungswerke gestartete Projekt zur Entwicklung eines „Neuen Reha-Modells“ aktiv eingebracht sowie bei der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales angestoßenen Initiative „Reha- Futur“ mitgewirkt. Zur Konkretisierung dieser Ideen wurde vor Ort gemeinsam mit dem BFW München und den Ansprechpartnern der Deutschen Rentenversicherung in Bayern ein Modellprojekt zur Individualisierung der beruflichen Reha-Angebote durchgeführt. Auch die Ergebnisse sind bis heute die konzeptionelle Basis zur Gestaltung von individuellen und integrationsorientierten beruflichen Reha-Angeboten im BFW Nürnberg. Das Ausbildungshotel

2008 bis 2017
Der Einstieg in das vierte Jahrzehnt war für das BFW Nürnberg zunächst eine Phase der „Ernte“ – im Bereich des Reha-Zentrums mit der erfolgreichen Umsetzung der im Modellprojekt Individualisierung entwickelten Reha-Konzepte, im Bereich der Geschäftsstellen mit der Eröffnung eines neuen, größeren Standorts im Westen Nürnbergs, welcher sich seither speziell um ausgeschriebene Projekte von Bedarfsträgern der Arbeitsverwaltung für unterschiedlichste Zielgruppen kümmert.

Weiterlesen!

2008 bis 2017

Der Einstieg in das vierte Jahrzehnt war für das BFW Nürnberg zunächst eine Phase der „Ernte“ – im Bereich des Reha-Zentrums mit der erfolgreichen Umsetzung der im Modellprojekt Individualisierung entwickelten Reha-Konzepte, im Bereich der Geschäftsstellen mit der Eröffnung eines neuen, größeren Standorts im Westen Nürnbergs, welcher sich seither speziell um ausgeschriebene Projekte von Bedarfsträgern der Arbeitsverwaltung für unterschiedlichste Zielgruppen kümmert.

Bereits im Laufe des Jahres 2010 zeichneten sich für den Leistungsbereich unserer Geschäftsstellen jedoch eine gravierende Veränderung ab. Infolge von neu definierten Vorgaben der Bundesagentur für Arbeit für den Zugang zu Reha-Leistungen ergab sich für unsere ambulanten, bis dahin mit allen Reha-Trägern kostensatzverhandelten und auch gut nachgefragten Reha-Angeboten ein Einschnitt. Entsprechend der Zuordnung von Förderkategorien zu Maßnahmekriterien erfüllten unsere bis dahin für alle Rehabilitationsträger angebotenen Reha-Konzepte nicht mehr die Vorgaben der Bundesagentur für Arbeit. Um weiterhin Rehabilitandinnen und Rehabilitanden im Zuständigkeitsbereich der Arbeitsförderung bei ihrer betrieblichen Umschulung fördern beziehungsweise Integrationsmaßnahmen anbieten zu können, blieben uns drei Wege:

  • Entweder die Entwicklung und Anerkennung eines neuen, aus Sicht der örtlichen Bedarfsträger belegungsfähigen Maßnahmekonzepts, das nach den neuen Vorgaben der Bundesagentur für Arbeit die Kriterien für eine Maßnahme der Förderkategorie 3 erfüllt,
  • alternativ die erfolgreiche Bewerbung um eine ausgeschriebene Reha-Maßnahme (Förderkategorie 2),
  • oder die Entwicklung von zertifizierten Produkten auf Gutscheinbasis (Förderkategorie 1).

Somit sehen wir uns seit 2012 vor die permanente Herausforderung gestellt, abhängig von der Nachfrage und der Mitbewerbersituation vor Ort, den potenziellen Bewerbungs- bzw. Zertifizierungsoptionen und unseren eigenen Ressourcen, einen machbaren Weg zu finden, um unsere Standorte zu erhalten und das Ursprungskonzept, wohnortnaher und ambulanter beruflicher Rehabilitation für die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden der Rentenversicherung und der Berufsgenossenschaften bzw. Unfallkassen weiterzuführen. 

Weitere Projekte und Neuerungen waren seither:

  • Die Weiterentwicklung unserer beruflichen Reha-Konzepte für den Personenkreis von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen:
    - Über eine neue Kooperationsvereinbarung mit der ERPEKA,
    - durch ein gemeinsam mit dem Krisendienst Mittelfranken konzipiertes und praktisch angelegtes Weiterbildungsangebot für die in den Reha-Angeboten tätigen BFW-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter,
    - eine Vielzahl von individuellen Förderbausteinen im Reha-Zentrum für psychisch beeinträchtigte Rehabilitandinnen und Rehabilitanden
    – aktuell mit dem neuen Vorbereitungsangebot „Reha-Portal“,
    - und speziell für den Bereich unserer Geschäftsstellen zur Weiterentwicklung unserer Integrationsangebote für psychisch beeinträchtigte Menschen ein dankenswerterweise durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit Mitteln des Ausgleichsfonds gefördertes Projekt, das wir in den Jahren 2015 bis 2017 gemeinsam mit den Berufsförderungswerken Thüringen, Dresden und Goslar initiierte Projekt #rehagramm unter wissenschaftlicher Begleitung durchgeführt haben.
  • der Geschäftsführerwechsel zum 31.12.2010 mit Verabschiedung von Herrn Direktor Reiner Eggerer und Neuberufung von Frau Direktorin Susanne Gebauer
  • die Bündelung unserer Assessment- und Qualifizierungsangebote für Unternehmen in der Metropolregion Nürnberg unter der Marke INDOLEO
  • gemeinsam mit der Evangelischen Hochschule Nürnberg und dem BFW München: Die Entwicklung des Weiterbildungskonzeptes „Certified Reha-Professional/Zertifizierte Reha-Fachkraft“, mittlerweile in Kooperation mit den Berufsförderungswerken Dresden, Frankfurt, Thüringen und Würzburg
  • die Umsetzung der Qualitätssicherungsvorgaben (DIN EN ISO 9001:2015, AZAV, HACCP)
    sowie die über die Qualitätssicherung der Deutschen Rentenversicherung einrichtungsbezogenen Auswertungen bzw. anzuwendenden Verfahren, zuletzt zur Einführung der Leistungsklassifikation in der beruflichen Rehabilitation
  • ein mit Künstlern und Künstlerinnen der WfbM der Lebenshilfe Nürnberg, dem Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg sowie Rehabilitandinnen und Rehabilitanden auf dem Gelände des Reha-Zentrums und der ERPEKA entwickelter Menschenrechtspfad
  • ab Ende 2015 bis Anfang 2018 auf Beschluss der Gesellschafter Beteiligung bei Maßnahmen zur Integration von zugeflüchteten Menschen
  • die Einführung des Berufsangebotes „Geprüfter Qualitätsfachmann/-frau Fachrichtung Fertigungsprüftechnik“
  • das bis April 2019 laufende Projekt „Schwer beschäftigt“ zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen – ein vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit Mitteln des Ausgleichsfonds gefördertes Projekt, das wir unter der Projektleitung des Jobcenters Nürnberg-Stadt gemeinsam mit dem bfz, dem IFD, der Access und der noris inklusion in Nürnberg im Auftrag von insgesamt 13 Agenturen für Arbeit und Jobcentern in Mittelfranken durchführen

Das für unsere Verhältnisse umfangreichste Projekt der letzten Jahre war die konzeptionelle Realisierung und bauliche Entwicklung unseres Regionalzentrums in Bamberg. Die Idee dahinter ist, einen regionalen Modellstandort unter eigener Regie mit räumlich optimierten Voraussetzungen zur Weiterentwicklung unserer ambulanten und wohnortnahen Reha-Angebote zu betreiben. Und das konnten wir dankenswerterweise mit der Zustimmung unserer Gesellschafter angehen.

Fazit & Ausblick
Im Vergleich zu den Anfängen hat sich viel verändert: Die Lebenssituation für Menschen mit Behinderungen – bedingt. Und die Arbeitsmarktsituation in Nordbayern – die letzten Jahre gut.

Weiterlesen!

Fazit & Ausblick

Im Vergleich zu den Anfängen hat sich viel verändert: Die Lebenssituation für Menschen mit Behinderungen – bedingt. Und die Arbeitsmarktsituation in Nordbayern – die letzten Jahre gut.

Der statistische Rehabilitand bzw. die statistische Rehabilitandin im BFW Nürnberg lässt sich nicht mehr in einer Zuordnung beschreiben. Im Reha-Zentrum ist er aktuell zu 35 Prozent nicht mehr männlich, sondern weiblich und vereinzelt divers. Das Durchschnittsalter im letzten Jahr betrug knapp 36 Jahre. Die Aufteilung auf die Berufsbereiche variiert. Geht man von den klassischen Unterteilungen aus, bleibt es bei den Anfängen: Viele Teilnehmende in einer Handvoll kaufmännischer-verwaltender Berufe, demgegenüber fast gleich viele, mit einigen Ausnahmen männliche Rehabilitanden in gewerblichtechnischen Berufsangeboten, allerdings verteilt auf derzeit 18 Berufsbilder in den Feldern Metall, Elektro, Gärtnerei, Abwassertechnik, Zeichnerische Berufe und IT.

Der Reha-Träger war im Jahr 2017 mit einem 63 Prozent-Anteil die Deutsche Rentenversicherung, in der Summe zu 30 Prozent eine Agentur für Arbeit beziehungsweise ein Jobcenter/eine optierende Kommune und mit rund 7 Prozent ein Träger der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung. Über alle Rehabilitandinnen und Rehabilitanden hinweg – lagen wir bei der letzten Nachbefragung bei einer Integration in Arbeit bei 91 Prozent.

Auch im Spektrum unserer Geschäftsstellenangebote gibt es nicht „den“ durchschnittlichen Rehabilitanden. Im Bereich der betrieblichen Umschulung, die wir im kostensatzverhandelten Bereich zu 97 Prozent für die Deutsche Rentenversicherung und zu 3 Prozent für einen Träger der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung durchgeführt haben, lag das Durchschnittsalter zuletzt bei 37 Jahren, zu 40 Prozent weiblich.

Das über eine BFW-Geschäftsstelle begleitete, betriebliche Umschulungskonzept eröffnet den Rehabilitandinnen und Rehabilitanden die Berufsbilder, die sich im dualen Berufsbildungssystem unter Umschulungsbedingungen am regionalen Arbeitsmarkt anbieten. Die Integrationsquote lag hier zuletzt bei 93 Prozent. Bei unseren vornehmlich für die Träger der Deutschen Rentenversicherung durchgeführten Integrationsmaßnahmen liegt der Altersdurchschnitt deutlich höher – im Mittel derzeit abhängig vom Maßnahmetyp bei 45 bzw. 47 Jahren. Im Nachbefragungszeitrum 6 Monate nach Maßnahmeende lagen wir hier bei einer Integrationsquote von knapp 66 bzw. 74 Prozent. Hinzu kommen derzeit noch über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in über 20 Maßnahmeangeboten mit sehr unterschiedlichen Förderkonzepten, abhängig vom Bedarf und Zugang über die vor Ort zuständigen Agenturen für Arbeit oder Jobcenter.

Einhergehend mit dieser Entwicklung haben sich natürlich auch Arbeitsanforderungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verändert. Spricht man mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ersten Stunde, offenbart sich allerdings: Die Arbeit in der beruflichen Rehabilitation war schon immer anspruchsvoll. Sie erfordert Eigeninitiative und so etwas wie „intrinsische Motivation“. Berufsanfängerinnen und -anfänger tun sich meistens schwer. Aber auch für die langjährigen Profis bleibt sie eine Sysiphusaufgabe, die mit den sich wandelnden Anforderungen der Arbeitswelt, neuen Berufsbildern und den komplexeren gesundheitlichen Problemlagen, nicht zuletzt mit den Ansprüchen der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden eine ständige Herausforderung bleibt.

Was hilft (und im Regelfall auch funktioniert), ist die Zusammenarbeit im Team, der Austausch, die gegenseitige Unterstützung, flankiert durch Angebote zur Supervision und zur Weiterbildung – und dafür bietet das BFW Nürnberg einiges an. Ebenso die Möglichkeit, bei Projekten mitzuwirken und Veränderungen mitzugestalten. Die Arbeitswelt, auf die eine berufliche Rehabilitation in den nächsten Jahren verstärkt vorbereiten soll, lässt sich mit Schlagworten umreißen: Demografischer Wandel und längere Lebensarbeitszeiten, Digitalisierung, Vernetzung und Mobilität, ebenso: zunehmend mentale Anforderungen, Stressresistenz und Resilienz. Und auch: Räume, Zeiten und Förderkonzepte, um sich darauf einzustellen, ebenso Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in der Lage fühlen, diese Prozesse zu organisieren. Das bleibt die Herausforderung für das Berufsförderungswerk Nürnberg: Mit mittlerweile viel Erfahrung, dem Mut zu Neuem und dem Ziel, durch berufliche Rehabilitation zu mehr Teilhabe und Inklusion beizutragen.

Einblicke in 40 Jahre BFW Nürnberg

Gemeinsam erfolgreich
Hohe Kompetenz und viel Freude an der Arbeit – das BFW-Team engagiert sich für die Teilnehmenden.

Weiterlesen!

Gemeinsam erfolgreich

Hohe Kompetenz und viel Freude an der Arbeit – das BFW-Team engagiert sich für die Teilnehmenden.

Das BFW Nürnberg besteht nun also 40 Jahre - 21 Jahre davon durfte ich miterleben und mitgestalten, die überwiegende Zeit meines Arbeitslebens.


Zum BFW Nürnberg gekommen bin ich 1996 durch den Anruf eines Bekannten und Mitarbeiters des BFW, der wusste, dass ich mich verändern wollte und der von einer freien Stelle als Ausbilderin bei den Steuerfachangestellten berichtete. Ich hatte zu dem Zeitpunkt in einer Steuerkanzlei gearbeitet und keine Ahnung, was ein Berufsförderungswerk eigentlich macht. Also habe ich mich informiert und war beeindruckt, aber auch skeptisch. Beeindruckt, dass es für Menschen mit Behinderung diese Möglichkeit gibt, einen berufliche Neuanfang zu realisieren. Skeptisch ob leistungsgewandelte Menschen so einen schweren und stressigen Beruf, wie den des Steuerfachangestellten, erlernen und später auch ausüben können. Skeptisch aber auch, ob ich mich zur Pädagogin eignete.


Die Handlungsorientierte Ausbildung wurde gerade eingeführt, und es galt, eine Übungssteuerkanzlei aufzubauen gemeinsam mit einem Kollegenteam, das die Ausbildungsgruppe fächerübergreifend und ganzheitlich über alle Disziplinen (Reha-Medizin, Reha-Psychologie und Sozialpädagogik) begleiten sollte. Das war mein Ding! Und genau die Veränderung, die ich mir zur meiner bisherigen Tätigkeit in einer Steuerkanzlei gewünscht hatte, in der es nur um Zahlen und Steuergesetze ging, in der Kreativität nicht wirklich gefragt war bei der die soziale Komponente völlig fehlte.


Also habe ich mich beworben, musste an einem sehr speziellen Auswahlverfahren teilnehmen und wurde angestellt. Die Arbeit als Ausbilderin war toll. Das Kollegen-Team war ein Dream-Team, wir konnten viele unserer Ideen umsetzen und die Ausbildung selbst mitgestalten. Die Teilnehmenden waren hoch motiviert und enorm anstrengungsbereit. Leider sind auch einzelne gescheitert, aus unterschiedlichen Gründen, aber die meisten haben ihren Weg gemacht. Zwei sind inzwischen sogar selbst Steuerberater! Und immer wieder musste ich denken: Es lohnt sich doch!


Nach einigen Jahren wurde mir die Arbeit als Case-Managerin für individuelle Reha- Fälle, vor allem aber die Projektbetreuung für IBRA (integrative berufliche Rehabilitation von Menschen mit Aphasie) und später dann IBRH (integrative Rehabilitation für Menschen mit Hörbehinderung) angeboten. Bei allen Tätigkeiten, ob als Ausbilderin oder als Case-Managerin konnte ich immer sehr selbstständig arbeiten, meiner Kreativität freien Lauf lassen und fand bei Vorgesetzten stets ein offenes Ohr für meine Ideen – wenn auch nicht alle umgesetzt wurden. Ich bekam Rückendeckung und konnte manche Entscheidung bei der Gestaltung von individuellen Maßnahmen unbürokratisch und schnell treffen. Natürlich immer in Absprache mit den betroffenen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden und ihren Leistungsträgern. Es wurde mir Vertrauen entgegengebracht, ich fühlte mich geschätzt. All das wäre für mich aber nie so positiv verlaufen, wenn ich nicht immer auch Team-Kollegen und -Kolleginnen gehabt hätte, die sich genauso engagiert haben und mich getragen haben, wie ich hoffentlich auch sie.


Die Arbeit mit den Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, vor allem mit den Menschen mit Aphasie oder Hörbehinderung hat mir die Sinnhaftigkeit gegeben, die mir in meiner vorherigen Tätigkeit gefehlt hatte.
Natürlich war das nicht immer nur einfach: Da war die Sorge um die Gesundheit der Teilnehmenden, die Sorge ob das alles so klappen würde, wie ich mir das vorgestellt hatte, die Sorge, ob „meine“ Teillnehmerinnen und Teilnehmer auch genügend Verständnis bei Kolleginnen und Kollegen, anderen Teilnehmenden und zukünftigen Arbeitgeberinnen oder Arbeitgebern finden würden, die Sorge, ob sie es überhaupt schaffen. Das hat mich viele schlaflose Nächte gekostet, viele Überstunden, Wut und auch mal Tränen. Dennoch: Alles was ich investiert habe, habe ich von den Teilnehmenden, besonders von den Menschen mit Aphasie, aber auch von meinen Teamkolleginnen und -kollegen tausendfach positiv zurückbekommen.


Trotz aller Mühen habe ich mich nach jedem Urlaub, ja selbst nach den meisten Wochenenden immer wieder auf meine Arbeit gefreut. Eine Arbeit zu haben, die Freude macht, empfinde ich als großes Geschenk, das mich mit tiefer Dankbarkeit erfüllt. Noch heute, ein Jahr nach meinem Austritt, zähle ich die Entscheidung, ans BFW Nürnberg gewechselt zu haben, zu den besten meines Lebens. Auch wenn mich die Arbeit manchmal an meine Grenzen gebracht hat, auch wenn ich – bei aller Wertschätzung – nicht immer mit den Entscheidungen der Geschäftsführung und ihrer Personalpolitik einverstanden war.

Dem BFW Nürnberg wünsche ich weiterhin gutes Gelingen bei dieser sinnvollen Aufgabe, leistungsgewandelten Menschen trotz ihrer Erkrankungen eine berufliche Perspektive zu geben. Ich wünsche ihm dabei viel Unterstützung seitens der Gesellschafter sowie der Leistungsträger und eine erfolgreiche glückliche Hand in der Personalführung, dass es achtsam umgeht mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ihnen Wertschätzung und Raum für Kreativität entgegenbringt, die sie für ihre Arbeit so dringend brauchen und wie ich sie erfahren habe.


Herzlichen Glückwunsch zum 40-Jährigen!


Susanne Hüttlinger, ehemals Reha- und Integrationsmanagement    

Weitere Mitarbeiterberichte finden Sie in unserer Jubiläumsbroschüre 

Duale Ausbildung im Wandel
Die deutsche Wirtschaft boomt, gerade Fachkräfte aus der dualen Berufsausbildung sind heiß begehrt. Und in keinem anderen Land Europas ist die Jugenderwerbslosigkeit so niedrig wie in Deutschland. Die duale Berufsausbildung durchlief in den vergangenen Jahrzehnten einen grundlegenden Wandel – und kann zu Recht als Erfolgsmodell bezeichnet werden.

Weiterlesen!

Duale Ausbildung im Wandel

Die deutsche Wirtschaft boomt, gerade Fachkräfte aus der dualen Berufsausbildung sind heiß begehrt. Und in keinem anderen Land Europas ist die Jugenderwerbslosigkeit so niedrig wie in Deutschland. Die duale Berufsausbildung durchlief in den vergangenen Jahrzehnten einen grundlegenden Wandel – und kann zu Recht als Erfolgsmodell bezeichnet werden.


Vor knapp 50 Jahren, im Jahr 1969, trat das Berufsbildungsgesetz (BBiG) in Kraft und somit wurde der Staat neben der Wirtschaft ein weiterer wesentlicher Akteur in der Berufsausbildung. Ab diesem Zeitpunkt war die Ausbildung bundeseinheitlich geregelt, die beiden parallelen Lernorte Betrieb und Berufsschule juristisch fixiert. Mit der Novellierung 2005 wurde das BBiG den aktuellen Gegebenheiten angepasst.

Die Grundlage der betrieblichen Ausbildung bilden die Ausbildungsordnungen, in denen die zu vermittelnden Inhalte sachlich und zeitlich gegliedert sind sowie die Prüfungsmodalitäten festgelegt werden. Diese Ausbildungsordnungen werden von den Sozialpartnern entwickelt und letztendlich vom Bundeswirtschaftsministerium erlassen. Sofern sich wesentliche Inhalte ändern, können Verordnungen (teil-)novelliert werden. Ändern sich Anforderungen an Fachkräfte grundlegend, so können Berufe neu entstehen bzw. ganz verschwinden. Als Beispiel hierfür sei die Fachkraft für Metalltechnik genannt, die im Jahr 2013 insgesamt elf Altberufe ersetzt hat, darunter den Drahtzieher aus dem Jahr 1955 sowie den Revolverdreher von 1938. Aktuellstes Beispiel ist die Ausbildungsordnung zum Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce, mit der dem in den letzten Jahren extremen Anstieg des Onlinehandels Rechnung getragen wird.

Die Anforderungen an Fachkräfte werden immer differenzierter. Auch dieser Aspekt wird bei der Entwicklung von Ordnungsmitteln der Berufsbildung berücksichtigt, in dem oftmals durch die Auswahl sog. Wahlqualifikationen Akzente gesetzt werden können bzw. durch Zusatzqualifikationen, die neben der eigentlichen Ausbildung erworbenes Wissen zertifizieren.

Ausbildungsordnungen, die in den 80-er und 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Kraft traten, zählen überwiegend fachliche Inhalte auf, die während der Ausbildung vermittelt werden müssen. Dagegen stellen Ausbildungsordnungen der letzten Jahre die Handlungskompetenz der Absolventen in den Mittelpunkt. Nachzuweisen sind Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, die die Auszubildenden erworben haben. Dies schlägt sich auch in den Prüfungsmodalitäten nieder. Während die mündliche Prüfung früher aus dem klassischen „Frage-und-Antwort-Spiel“ zwischen Prüfling und Prüferin oder Prüfer bestand, in dem lediglich Fachwissen reproduziert werden musste, sind heute ganz andere Prüfungsformen üblich. So sollen praktische Prüfungen heute die moderne und wesentlich komplexere Berufspraxis abbilden. Dazu müssen die Prüflinge beispielsweise einen Report über eine betriebliche Projektarbeit anfertigen, der die Grundlage für ein Fachgespräch bilden kann oder ein Kundenberatungsgespräch führen, bei dem einer der Prüfer oder die Prüferin die Kundenrolle einnimmt.

Weitere Entwicklung der letzten Jahre ist die in vielen Berufen eingeführte gestreckte Abschlussprüfung: anstelle der früher obligatorischen Zwischenprüfung (die lediglich der Ermittlung des aktuellen Kenntnisstandes diente) tritt bei vielen neuen bzw. novellierten Berufen die sogenannte Teil 1-Prüfung. In dieser Prüfung werden die bis zu diesem Zeitpunkt vermittelten Inhalte geprüft. Im Gegensatz zur Zwischenprüfung geht das Ergebnis der Teil 1-Prüfung bereits in die Gesamtnote der Prüfung ein. Es wird um das Ergebnis der Teil 2-Prüfung am Ende der Ausbildungszeit ergänzt. Einen weiteren wichtigen Meilenstein bei den Prüfungen der IHK-Ausbildungsberufe stellen die sukzessive von 1999 bis 2008 eingeführten bundeseinheitlichen Prüfungen dar. Keine andere Prüfung erreicht eine derartige Vergleichbarkeit. Arbeitgeber wissen, welche Kenntnisse ihre Bewerberinnen und Bewerber mitbringen, ganz gleich, ob sie ihre Prüfung in Flensburg, Frankfurt oder Nürnberg abgelegt haben.

Unzählige Prüflinge kamen in den letzten Jahren auch vom Berufsförderungswerk Nürnberg. Direkt als Azubis, als Umschüler oder Umschülerin, oder als externe Prüfungsteilnehmer oder -teilnehmerin haben sie die Prüfungen in den verschiedensten technischen und kaufmännischen Ausbildungsberufen erfolgreich absolviert und stehen dem Arbeitsmarkt seitdem als vollwertige Arbeitskräfte zur Verfügung. Mit dem selben Abschluss wie jeder „reguläre“ Azubi. Und die Vergleichbarkeit der Abschlüsse ist nicht nur innerhalb der IHK-Organisation gegeben. Dank des Deutschen Qualifikationsrahmens, der – angelehnt an den Europäischen Qualifikationsrahmen – Bildungsabschlüsse seit 2007 national und international vergleichbar macht, wird der Stellenwert der Dualen Ausbildung deutlich: kombiniert mit berufsbegleitenden Fortbildungen sind Abschlüsse erreichbar, die auf dem selben Qualifikationsniveau eingestuft werden wie die akademischen Abschlüsse Bachelor und Master. Insgesamt gesehen waren Ordnungsmittel und Prüfungen im Bereich der IHK-Berufe auch in den zurückliegenden vier Jahrzehnten einem kontinuierlichen Veränderungsprozess unterzogen. Und so bilden auch im Jahr 2018 dual ausgebildete Fachkräfte das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Ein Gastbeitrag von Stefan Kastner Leiter Geschäftsbereich Berufsbildung bei der IHK Nürnberg

 

Fotonachweis: Behles & Jochimsen

 

 

Nah am Menschen
Reha- und Integrationsmanager – hierfür steht das Kürzel RIM – ergänzen neben Reha-Medizin und Psychologie die Ausbildung im Reha-Zentrum des BFW Nürnberg. Hier ein Einblick in diesen wichtigen sozialpädagogischen Aufgabenbereich.

Weiterlesen!

Nah am Menschen

Reha- und Integrationsmanager – hierfür steht das Kürzel RIM – ergänzen neben Reha-Medizin und Psychologie die Ausbildung im Reha-Zentrum des BFW Nürnberg. Hier ein Einblick in diesen wichtigen sozialpädagogischen Aufgabenbereich.

  • 08:00 Uhr Der Tag beginnt mit einem Erstgespräch: eine Sozialanamnese mit einem Teilnehmer, der vor einer Woche die Reha-Vorbereitung begonnen hat. Im Gespräch berichtet er von seinen ersten Eindrücken und erläutert, dass er sich derzeit stark belastet fühlt durch die neue Situation im BFW Nürnberg und den sich daraus ergebenden Herausforderungen. Dazu gehört die für ihn neue Qualifizierungsmethodik (Handlungsorientierte Ausbildung), das Internatsleben und die Menge der Menschen im Reha-Zentrum insgesamt. Unter Berücksichtigung seines Reha-Leidens (Zustand nach Alkoholerkrankung, derzeit abstinent und rezidivierende depressive Störung) sowie einer momentan herabgesetzten psychischen Belastbarkeit, besprechen wir vorhandene Ressourcen sowie mögliche Strategien im Umgang mit den von ihm beschriebenen Belastungssituationen. Zur weiteren Unterstützung vereinbaren wir vor allem in der für ihn anstrengenden Anfangsphase der Reha-Vorbereitung einmal wöchentlich sozialpädagogische Gespräche, die er nach eigenen Angaben als Entlastung empfindet.
    Ich freue mich über die Offenheit des Teilnehmers und, dass er die angebotenen Hilfen annehmen möchte.
  • 09:00 Uhr Sprechstunde: Teilnehmerinnen und Teilnehmer suchen mich mit verschiedensten Anliegen auf: unentschuldigte Fehltage, die geklärt werden müssen, Anmeldewünsche für das neue PlusPunkte-Kursangebot, Fragen zum Übergangsgeldbescheid, Rückmeldung zu einer mangelhaften Note in einem Hauptfach, Gesprächswunsch wegen einer Konfliktsituation mit einem Gruppenteilnehmer, Anruf eines Teilnehmers, der voraussichtlich länger krank sein wird und das weitere Vorgehen besprechen möchte, Anruf eines Reha-Trägers wegen eines Wiederaufnahmewunsches bei einer ehemaligen Teilnehmerin, deren Ausbildung vor einem halben Jahr wegen Verschlechterung der psychischen Verfassung abgebrochen werden musste.
    Die Stunde war sehr betriebsam. Teilweise bildete sich eine „Menschentraube“ vor meinem Büro. Bei ausführlichem Gesprächsbedarf habe ich Termine außerhalb der Kurzsprechzeiten vergeben. LBR-Codierungen vornehmen
  • 10:00 Uhr Telefontermin mit einer gesetzlich bestellten Betreuerin eines Teilnehmers: Bei ihm besteht aufgrund seiner psychischen Erkrankung ein erhöhter Unterstützungsbedarf im Bereich der Selbstorganisation. Wir vereinbaren weitere Telefonate bei Bedarf. Ich informiere den Teilnehmer über den Kontakt und bespreche mit ihm erste kleine Schritte bezüglich des oben genannten Themas. Ich bin erfreut über die gute Zusammenarbeit mit der Betreuerin und ihr Interesse an der Entwicklung des Teilnehmers sowie seine gute Compliance.
  • 11:15 Uhr LBR-Codierungen eintragen: Ich beginne mit der Vorbereitung eines Profilings, welches Ende der Woche stattfinden wird.
  • 12:00 Uhr Mittagspause
  • 12:30 Uhr Sprechstunde: Ein Gruppensprecher informiert mich, dass er sein Amt niederlegen möchte und bittet mich, zur Neuwahl in die Gruppe zu kommen. Eine Teilnehmerin erklärt mir, dass sie nach ihrer krankheitsbedingt längeren Ausfallzeit und Rückkehr in die Gruppe den Anschluss nicht mehr schaffen könne und bittet um eine Rückversetzung. Ich werde dies mit dem Reha-Team besprechen.
    Aus manchen Gesprächen des heutigen Vormittages haben sich Folgeaufträge ergeben wie zum Beispiel das Informieren des Reha-Teams per E-Mail oder das Einleiten einer Teamsitzung.
  • 13:00 Uhr Jour fixe: Wir besprechen im Reha-Team die Entwicklung aller Teilnehmenden einer Ausbildungsgruppe. In einigen Fällen entsteht ein erhöhter Gesprächsbedarf. Bei einer Teilnehmerin mit paranoider Schizophrenie zeigen sich seit kurzem zunehmend psychotische Symptome. Wir vereinbaren, dass sie einen Termin bei der Psychiaterin des BFW wahrnehmen sollte. Bei einem Teilnehmer gibt es Probleme bezüglich seiner Wohnsituation. Ich werde mit dem Teilnehmer Termine zur Unterstützung vereinbaren und bei Bedarf Kontakt zu externen Stellen (Behörden, Beratungsstellen) aufnehmen. Ein Teilnehmer ist aufgrund der Gesamtbelastung (Lernanforderung in der Ausbildung, Haushaltsführung, tägliche Fahrtzeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln von insgesamt zwei Stunden) bei bestehender psychischer Erkrankung zunehmend stark belastet und bittet um Internatsaufnahme. Das Team erstellt ein Reha-Team-Protokoll und ich werde im Nachgang dem Kostenträger einen schriftlichen Bericht zukommen lassen.
  • 14:30 Uhr Administrative Arbeiten im Büro: LBR-Codierungen vornehmen, Fortsetzung der Profilingvorbereitung, Aktensichtung von Teilnehmenden, die neu begonnen haben, Telefonate mit Reha-Team-Kollegen und -Kolleginnen bezüglich Informationsaustausch in einigen Fällen, Bearbeitung von E-Mails
  • 16:00 Uhr Gespräch mit einer Teilnehmerin (Zustand nach Burnout): Sie setzt sich unter starken Leistungsdruck vor allem bei Klausuren und hoher Belastung bei Präsentationssituationen. Wir besprechen Strategien im Umgang mit diesen Stressfaktoren. Die Teilnehmerin berichtet, dass die regelmäßigen Gespräche für sie eine Unterstützung darstellen und entlasten.
  • 16:45 Uhr Dokumentation des Gesprächs: LBR-Codierung und abschließende administrative Aufgaben.
  • 17:00 Uhr Feierabend

Fazit des heutigen Tages: Ich bin zufrieden. Es war ein abwechslungsreicher Tag mit interessanten Einzelgesprächen, Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und einer guten Kooperation mit externen Beteiligten. Besonders freut mich, wenn Teilnehmende von Gesprächen, die wir miteinander führen, profitieren, sich entlasten können, durch meine Beratung neue Perspektiven entdecken und Vereinbarungen umsetzen. 

Silke Ukena Reha- und Integrationsmanagement

Kooperationen auf Augenhöhe
Seit seiner Gründung im Jahr 1978 arbeitet das BFW Nürnberg mit regionalen Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen. Einerseits bildet das BFW Nürnberg Fachkräfte in einer Vielzahl von Berufen aus und gilt aufgrund der geballten Erfahrung als Profi für berufliche Qualifizierung. Auf der anderen Seite profitiert das Reha-Zentrum von den Kompetenzen und der Förderung durch Wirtschaftsunternehmen. Ein gutes Beispiel für diese gegenseitige Unterstützung ist die langjährige Kooperation mit dem Markenunternehmen STAEDTLER.

Weiterlesen!

Kooperationen auf Augenhöhe

Seit seiner Gründung im Jahr 1978 arbeitet das BFW Nürnberg mit regionalen Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen. Einerseits bildet das BFW Nürnberg Fachkräfte in einer Vielzahl von Berufen aus und gilt aufgrund der geballten Erfahrung als Profi für berufliche Qualifizierung. Auf der anderen Seite profitiert das Reha-Zentrum von den Kompetenzen und der Förderung durch Wirtschaftsunternehmen. Ein gutes Beispiel für diese gegenseitige Unterstützung ist die langjährige Kooperation mit dem Markenunternehmen STAEDTLER.

STAEDTLER unterstützt das Berufsförderungswerk Nürnberg schon seit 40 Jahren. Seitdem ist das Unternehmen Kooperationspartner und Patenfirma des BFW-Lernbetriebs „scriptaplus GmbH“. Unternehmensphilosophie, Produktpalette und Geschäftsprozesse der kaufmännischen Übungsfirma lehnen sich an die der STAEDTLER Mars GmbH und Co. KG an.


Das Produktsortiment von STAEDTLER war in frühen Jahren auch die Grundlage für die Warenkunde, die bei den Industriekaufleuten Bestandteil der mündlichen Abschlussprüfung war. Auch zur internationalen Übungsfirmenmesse, die jährlich stattfindet, müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der scriptaplus GmbH nicht mit leeren Händen anreisen: Präsentationsmaterialien, Give-aways und Schreibgeräte aus der Fertigung, unterstützen den professionellen Auftritt der angehenden Kaufleute. Im Reha-Zentrum unterstützt STAEDTLER durch die professionelle Gestaltung mehrerer Schauvitrinen mit seinen Produkten die Marketingaktivitäten in der Übungsfirma. Regelmäßige Werksführungen durch die Produktion und das Logistikzentrum von STAEDTLER runden die kaufmännische Berufsausbildung der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden des BFW Nürnberg ab.


Aber auch STAEDTLER profitiert von dem Know-how und der Erfahrung des Reha- Zentrums: Da STAEDTLER auch selbst ausbildet, führt das BFW Nürnberg Kompetenztrainings für deren Azubis durch. Auch in diesem Jahr schulte ein Mitarbeiter des BFW Nürnberg die Azubis des Unternehmens in einem professionellen Training zum Thema Lern- und Arbeitstechniken. So beruht die Kooperation auf Gegenseitigkeit! STAEDTLER ist eines der ältesten Industrieunternehmen Deutschlands und zählt zu den weltweit führenden Herstellern und Anbietern von Schreib-, Mal-, Zeichen- und Kreativprodukten.


Richard Dreßel, Leiter Center kaufmännische Qualifizierung 

Zurück in den Beruf
Bereits drei Monate vor der Abschlussprüfung unterstützt der Integrationsservice des Reha-Zentrums die Absolventinnen und Absolventen bei der Suche nach adäquaten Arbeitsplätzen.

Weiterlesen!

Zurück in den Beruf

Bereits drei Monate vor der Abschlussprüfung unterstützt der Integrationsservice des Reha-Zentrums die Absolventinnen und Absolventen bei der Suche nach adäquaten Arbeitsplätzen.

Bei der Suche nach geeigneten Arbeitsstellen für unsere Teilnehmenden komme ich in die unterschiedlichsten Unternehmen. Recht häufig erlebe ich dabei folgendes Bild: Mein Ansprechpartner kommt mir humpelnd entgegen, hält sich den Rücken oder hat Schwierigkeiten beim Aufstehen vom Bürostuhl. Auf meine Frage nach dem Befinden höre ich dann Sätze wie „Naja, wir werden halt alle nicht jünger!“ Nachdem dies kein Einzelschicksal ist, könnten wir alle, zumindest ab einem gewissen Alter, selbst eine Anekdote zu diesem Thema beitragen.

Was schon persönlich sehr unangenehm ist, kann dann im Job ein richtiges Problem werden. Das wissen auch unsere Teilnehmenden, egal in welchem Alter sie aktuell sind. Die heutige Arbeitswelt entfernt sich zum Teil leider immer weiter vom dem, was ein Arbeitnehmer leisten kann und (manchmal) will. Die Anforderungen an die Arbeitnehmer steigen. Sei es, dass sich die Arbeit sehr verdichtet hat, so dass ein einzelner Mitarbeiter oder eine einzelne Mitarbeiterin Aufgaben zu erledigen hat, die noch vor zehn Jahren zwei oder gar drei Arbeitskräfte gemacht haben. Oder die Arbeitsstelle erfordert besondere fachliche Spezialisierungen. Vor allem das erstgenannte Problem führt nicht selten dazu, dass Unternehmen lieber junge und gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen, die unter Umständen mehr Druck aushalten können. Doch häufig droht auch jungen Menschen nach einigen Jahren eine Erschöpfungsdepression – gerade weil oft nur befristet eingestellt wird. Und schon haben wir das Problem des Fachkräftemangels.

Die Integrationsquoten der Teilnehmenden des BFW Nürnberg zeigen, dass man den Unternehmen bei der Beseitigung des Fachkräftemangels behilflich sein kann. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ob älter oder jünger, weiter zu qualifizieren oder gar umzuschulen, haben viele Unternehmen nicht „auf dem Schirm“. Mit der Vermittlungstätigkeit unseres Integrationsservices versuchen wir, den Arbeitgebern diesen Gedanken näher zu bringen. Wenn ein Mensch seiner Jahre oder Jahrzehnte lang ausgeübten Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen kann, heißt das nicht, dass die betreffende Person gar nicht mehr arbeiten kann. Wir erklären unseren Ansprechpartnern in den Unternehmen, dass zum Beispiel vor der Umschulung das RehaAssessment ® den neuen Beruf ausführlich und sehr gewissenhaft überprüft. So wird nicht nur sichergestellt, dass unsere Teilnehmenden eine langfristige Perspektive im neuen Beruf haben, sondern auch, dass unsere Umschülerinnen und Umschüler den Unternehmen als leistungsfähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Auch ein Hinweis auf unsere begleitenden Dienste und Angebote für die Teilnehmenden während der Umschulung findet oft große Anerkennung in den Betrieben und kann dazu beitragen, unsere Ansprechpartner zu überzeugen.

Überzeugungsarbeit ist aber nicht nur auf der Seite der Arbeitgeber zu leisten. Auch die Absolventinnen und Absolventen benötigen hier sehr häufig unseren Rückhalt. Neben der Unterstützung der Teilnehmenden bei der aktiven Suche oder Anbahnung von Arbeitsverhältnissen durch die Nutzung unserer Kontakte zu Unternehmen, ist oft mehr Hilfe nötig. Viele sind sich ihrer Fähigkeiten nicht bewusst und stehen sich selbst im Weg. Dann gilt es gemeinsam die Stärken zu ermitteln, Ängste abzubauen und Wege aufzuzeigen, um die bestmöglichen beruflichen Chancen ergreifen zu können. Die berufliche Integration älterer Personen und/oder Menschen mit Behinderung ist gesellschaftlich wichtig. Wenn wir da nicht umdenken, sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen. Denn wie gesagt: Jünger werden wir alle nicht!

Jan Holland, Integrationsservice 

Der Weg zurück ins Arbeitsleben
Eine erfolgreiche berufliche Rehabilitation ermöglicht die Teilhabe am Arbeitsleben, bindet den Menschen in die Gesellschaft ein und befähigt ihn zum selbstbestimmten Handeln. Eine hochwertige Qualifikation, individuelles Kompetenztraining und frühzeitige Integrationsunterstützung sind Garanten für die guten Integrationsergebnisse im BFW Nürnberg.

Weiterlesen!

Der Weg zurück ins Arbeitsleben

Eine erfolgreiche berufliche Rehabilitation ermöglicht die Teilhabe am Arbeitsleben, bindet den Menschen in die Gesellschaft ein und befähigt ihn zum selbstbestimmten Handeln. Eine hochwertige Qualifikation, individuelles Kompetenztraining und frühzeitige Integrationsunterstützung sind Garanten für die guten Integrationsergebnisse im BFW Nürnberg.

Mit durchschnittlich 83 Prozent in Arbeit vermittelten Teilnehmenden in allen Berufsbildern ist das Reha-Zentrum ein zuverlässiger Partner für Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, Reha-Träger sowie Unternehmen.


Rehabilitand der ersten Stunde

Norbert Woschek stammt aus einem kleinen Ort im Schwarzwald. Während seiner KFZMechaniker- Lehre stellten die Ärzte eine Wirbelsäulenverkrümmung bei dem damals 18-jährigen fest, weshalb er über die Arbeitsagentur die Chance auf eine leidensgerechte Umschulung erhielt.

So kam es, dass er nach Berufsfindung und Reha-Vorbereitung als einer der jüngsten von 27 Rehabilitandinnen und Rehabilitanden aus ganz Deutschland im September 1978 im ersten Zahntechnikerlehrgang des BFW Nürnberg seine Umschulung begann. Er erinnert sich daran, als wäre es erst gestern gewesen: „Wir wurden damals im Speisesaal des ganz neu gebauten BFW empfangen. Das Haus kam mir vor wie ein Luxushotel, mit Schwimmbad, Kegelbahn, Sporthalle und Disco. Die Labore und Unterrichtsräume waren mit den modernsten Geräten ausgestattet. Es fehlte uns an nichts.“

Sein Zimmer teilte er mit einem Klassenkollegen, der ihn unterstützte, die Probezeit zu überstehen und mit ihm intensiv lernte. Die Klasse blieb ihm positiv in Erinnerung. Sie zeichnete sich durch einen Zusammenhalt aus, der einzigartig war. Sie halfen einander während der Ausbildung und spielten am Abend gemeinsam Badminton, Billard oder Fußball.

In den Anfängen des BFW Nürnberg wurde noch zwischen theoretischer und praktischer Ausbildung unterschieden. Der theoretische Unterricht war sehr fundiert. Im gewerblichen Labor lernte Woschek von der Pike auf und sehr gezielt die fachpraktischen Fähigkeiten. Den Patienten- und Zahnarztkontakt erlebte er während des zweibis dreiwöchigen Praktikums in einem Nürnberger Dentallabor. Der Praktikumsplatz wurde ihm vom BFW Nürnberg gestellt. Bewerbungen musste er nicht schreiben. Damals ging man direkt zur Firma und stellte sich persönlich vor. Auf diese Weise fand er seinen ersten Arbeitsplatz in der Nähe seines Heimatortes.

Circa 30 Jahre lang übte Norbert Woschek den Beruf des Zahntechnikers aus. Dann stellte er fest, dass es Zeit war aus dem Laboralltag auszubrechen. Heute genießt er die Freiheit als Patientenfahrer einer medizinischen Reha-Klinik. Er ist viel unterwegs und hat täglich andere Menschen um sich. Diese Abwechslung ist ihm sehr wichtig. 

von Gitta Büttner, Reha- und Integrationsmaagement

Weitere Fallbeispiele aus 40 Jahren beruflicher Reha finden Sie in unserer Jubiläumsbroschüre

BFW-Bau-Chronik
Eine Zeitreise durch mehr als 40 Jahre Baugeschichte des Berufsförderungswerkes Nürnberg

Weiterlesen!

BFW-Bau-Chronik

Eine Zeitreise durch mehr als 40 Jahre Baugeschichte des Berufsförderungswerkes Nürnberg

  • 1970 „Aktionsprogramm Rehabilitation“ des Bundesarbeitsministeriums mit dem Ziel,
    bundesweit 16 Berufsförderungswerke sowie 5 Spezialeinrichtungen zu bauen
  • Frühjahr 1974 Entscheidung zur Errichtung eines Berufsförderungswerkes in Nürnberg
  • 25.09.1974 Bauantrag
  • 25.07.1975 Grundsteinlegung
  • 09.09.1975 Erteilung der Baugenehmigung
  • 24.09.1976 Richtfest
  • 18.05.1978 feierliche Einweihung mit Aufnahme des Ausbildungsbetriebs
  • 1988 Erweiterung durch Neubau für kaufmännische Ausbildung
  • 1992 Neubau des zweiten Internatsgebäudes mit separater Aula und Seminarräumen
  • 1999 Neubau der Ausbildungsgärtnerei für die Berufsfelder im Gala- und Zierpflanzenbau
    sowie Anlegen eines Allwettersportplatze
  • 1999 Erneuerung der Heizzentrale und der Küche
  • 2000 Umbau der westlichen Hälfte der Werkhalle zur Schaffung
    von Ausbildungsräumen für IT-Berufe
  • 2003 Erweiterungsbau des kaufmännischen Ausbildungsgebäudes
  • 2004 Fassadensanierung des gewerblich-technischen Ausbildungsgebäudes
  • 2005 Umnutzung des Internatsgebäudes II zum Ausbildungshotel (späteres bfwhotel)
    mit Teilumbau zur Schaffung von Rezeption und Frühstücksbereich mit entsprechender
    Küche sowie eines rollstuhlfahrergerechten Gästezimmers
  • 2006 Generalsanierung und Neugestaltung der zentralen Information am Haupteingang
  • 2007 Fassadensanierung der Schwimmhalle
  • 2009 Sanierung und komplette Neugestaltung der Cafeteria
  • 2007 - 2011 Sanierung und Neumöblierung aller Internatszimmer mit Schaffung von neuen,
    rollstuhlfahrergerechten Internatszimmern
  • 2011 Überarbeitung aller Heizungs-Unterstationen mit Installation eines BHKW
    in der Heizzentrale zur Stromerzeugung und Verbesserung der Energieeffizienz
  • 2012 Anbau eines Bistros am bfwhotel
  • 2013 Planungsbeginn zum Neubau des Regionalzentrums Bamberg
  • 2014 Fassadensanierung Internatsgebäude
  • seit 2015 Brandschutzertüchtigungen und Sanierung der Bäder im Internatsgebäude
  • 2014 - 2016 Planungs- und Bauphase des Neubaus Regionalzentrum Bamberg
  • 2016 Eröffnung und Nutzungsaufnahme des neuen Regionalzentrums Bamberg
  • 2017 Planungsbeginn der Generalsanierung des Verwaltungsgebäudes
  • 2018 Baubeginn der Generalsanierung des Verwaltungsgebäudes

Einen ausführlichen Bericht von Joachim Scherer, Gebäudemanagement, finden Sie auch in der Jubiläumsbroschüre

Gelernt? Gewusst? Gewusst wie?
Stürmische Zeiten waren das – die letzten 10 bis 15 Jahre, bevor das BFW Nürnberg seine Arbeit aufnahm. Die Bildung befand sich in der Krise, die Studentenbewegung bäumte sich gegen die damalige Bildungspolitik und deren Vertreterinnen und Vertreter auf und die Bildungslandschaft veränderte sich so durchgreifend und schnell, dass man beim bloßen Nachlesen über diese Ära Seitenstechen bekommt. Denn nichts konnte mehr darüber hinwegtäuschen: die damaligen Lehr- und Lernmethoden mussten generalüberholt werden, um einen bildungs- und sozialpolitischen Kollaps zu verhindern.

Weiterlesen!

Gelernt? Gewusst? Gewusst wie?

Stürmische Zeiten waren das – die letzten 10 bis 15 Jahre, bevor das BFW Nürnberg seine Arbeit aufnahm. Die Bildung befand sich in der Krise, die Studentenbewegung bäumte sich gegen die damalige Bildungspolitik und deren Vertreterinnen und Vertreter auf und die Bildungslandschaft veränderte sich so durchgreifend und schnell, dass man beim bloßen Nachlesen über diese Ära Seitenstechen bekommt. Denn nichts konnte mehr darüber hinwegtäuschen: die damaligen Lehr- und Lernmethoden mussten generalüberholt werden, um einen bildungs- und sozialpolitischen Kollaps zu verhindern.

Neue Weltbilder


Festgefügte Weltbilder gerieten ins Wanken, als man unter anderem feststellte, dass der große Hans sehr wohl noch lernen kann, was er als Hänschen versäumt hatte: Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen traten ihren Siegeszug in die deutsche Bildungspolitik an und sind heute einfach nicht mehr wegzudenken.

Von Mengen und Schleifen


In den 70er-Jahren zeigten sich weitere Auswirkungen der angestrengten Reformen in den Schulen und Ausbildungsstätten. Verwirrung spiegelte sich in den Gesichtszügen vieler Eltern wider, als sie auf den Einkaufslisten für den ersten Schultag ihres Sprösslings so seltsame Dinge wie „Mengenschleifen“* lasen. Der Lernstoff wurde schon für die ganz Kleinen verwissenschaftlicht und manche Mutter und mancher Vater verzweifelten zu Hause bereits an Aufgabenstellungen in der 1. Klasse. Spätestens jetzt wurde klar: irgendetwas hatte sich entscheidend verändert!

Rollenwandel inklusive

 
Mit dem Wandel, der sich zu dieser Zeit allmählich in Klassenzimmern und Ausbildungsräumen vollzog, veränderte sich zwangsläufig die Rolle der Ausbildenden. Die Zeiten des ausschließlichen und Vollzeit- Frontalunterrichts gehörten nun der Vergangenheit an. Individualisierung des Lehrens und Lernens, Orientierung an Lerntypen und Ressourcen sowie Gruppen- und Projektarbeit gewannen zunehmend an Bedeutung. Lehrerinnen und Lehrer sowie Ausbilderinnen und Ausbilder sollten sich von nun an als Lernbetreuung und -begleitung sehen. Der strenge „Pauker“ war passé.

Lernen mit neueren und ganz neuen Medien


Dienten bislang in erster Linie neben Tafelbildern Bücher als Lernmedien, wurden ab den 70er-Jahren zunehmend Zeitungen, Zeitschriften (ganz revolutionär auch schon mal die BRA VO!) und Filme Bestandteile des Unterrichts und der Ausbildung. In diesem Zusammenhang rückte die Medienerziehung immer mehr in den Vordergrund … Unter diesen ganzen Einflüssen stand natürlich auch das BFW Nürnberg, als es 1978 seine Pforten öffnete. Und nichts bleibt wie es ist: Veränderung ist das einzig Stete – ganz besonders im Hinblick auf Bildung und Ausbildung. Die Welt wurde und wird zusehends komplexer und daraus folgernd die Ausbildung immer differenzierter. Mit dem Einzug des Computers in die Alltags- und Berufswelt ergaben sich neue Möglichkeiten, neue Herausforderungen und ... neuer Diskussionsbedarf, der bis heute anhält. Wie häufig soll der Rechner in der Ausbildung eingesetzt werden? Bei welchen Gelegenheiten? Soll der Einsatz mobiler Endgeräte erlaubt oder gar eingeplant werden?

Schöne digitale Welt


Selbstredend haben die digitalen Medien das Ausbildungsgeschehen verändert. Viele neue Inhalte mussten aufbereitet und vermittelt werden: Kenntnisse über Hard- und Software, der Umgang mit unterschiedlichen Programmen, Klärung rechtlicher Fragen, Medienkompetenz und so vieles mehr … Ganz zu schweigen von der Ausbildung in Berufen, die IT selbst zum Thema hatten und haben. Aus Sicht der Ausbildungsmethodik erschlossen sich ebenfalls ganz neue Welten. Projektarbeiten waren nun durch die vereinfachten Recherchemöglichkeiten häufiger und zeitsparender durchführbar. Bei der Ausarbeitung von Präsentationen sind die kreativen Gestaltungsfreiräume gewachsen und die Einführung unserer Informations- und Kommunikationsplattform „TN I -Teilnehmerintranet“ ermöglicht unseren Teilnehmenden, auch außerhalb der Ausbildungszeiten Übungstests mit sofortigem Feedback durchzuführen und sich über sogenannte Lerneinheiten manche Sachverhalte noch einmal erklären zu lassen.

Analoge Wurzeln müssen bleiben


"Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung.“ Dieses Zitat von Dieter Hildebrandt trifft mit seiner Ironie den Punkt, der sich im Ausbildungsalltag schnell offenbarte: Die digitalen Medien sind wichtig, aber kein Allheilmittel – sie können nur als Ergänzung dienen. Der persönliche Kontakt zu Ausbilderinnen und Ausbildern sowie Teilnehmenden untereinander lässt sich auf Dauer nicht ersetzen. Das Training der Sozialkompetenzen, das Üben von Präsentationstechniken sowie das Arbeiten im Team finden nach wie vor im täglichen Miteinander statt und leben von ständiger Rückmeldung durch Andere. Darüber hinaus erfreuen sich traditionelle, „analoge“ Lernmittel und -methoden wie das oben zitierte Buch, Karteikarten, Tafelbilder, Cluster et cetera größter Beliebtheit und werden auch zukünftig nur schwer zu ersetzen sein. Im Übrigen startete ich in diesem Zusammenhang eine kleine, bestimmt nicht allzu repräsentative Umfrage unter den Mittzwanzigern im Familien- und Freundeskreis zu dem Thema: „Eure Meinung: Was haben digitale Medien beim Lernen grundsätzlich verändert?“ Die einstimmige Antwort war so simpel wie vielsagend: „Gar nichts!“ *Als Mengenschleifen wurden in den Jahren 1972 ff in der Grundschule verschieden lange Wollfäden bezeichnet, die zusammengeknotet zur Veranschaulichung von Schnittmengen, Teilmengen und Vereinigungsmengen dienten. Allerdings verhedderten sich zu viele Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und vor allen Dingen Eltern darin, sodass sie kurze Zeit später wieder abgeschafft wurden.

Ulrike Berlin, Ausbilderin Reha-Vorbereitung

Wanne war gestern! Massage auch?
Dem allerersten Jahresbericht aus dem Jahr 1978 ist zu entnehmen, dass der Ärztliche Dienst (so hieß die „Reha-Medizin“ damals – und eigentlich hält sich die Bezeichnung trotz aller Veränderungsversuche hartnäckig bis heute) mit einem Arzt, einer Arzthelferin, einem Masseur/medizinischen Bademeister sowie zwei Badehelferinnen an den Start ging.

Weiterlesen!

Wanne war gestern! Massage auch?

Dem allerersten Jahresbericht aus dem Jahr 1978 ist zu entnehmen, dass der Ärztliche Dienst (so hieß die „Reha-Medizin“ damals – und eigentlich hält sich die Bezeichnung trotz aller Veränderungsversuche hartnäckig bis heute) mit einem Arzt, einer Arzthelferin, einem Masseur/medizinischen Bademeister sowie zwei Badehelferinnen an den Start ging.

Schon im ersten Jahr wurde die ärztliche Kapazität um eine Teilzeitärztin und wenig später auch um weitere Honorarkräfte sowie eine zweite Arzthelferin und eine Masseurin erweitert, später um eine Laborantin und eine Krankengymnastin. Zudem gab es schon zu dieser Zeit eine Diätassistentin, mit welcher der Ärztliche Dienst zusammenarbeitete. Laut Bericht wurden zwar die „Diät“-Kostformen gerne angenommen, die Beratung dazu jedoch nur zögerlich – daran hat sich bis heute nicht wirklich viel geändert. Diejenigen, die auf Grund einer ärztlichen Empfehlung die Ernährung verändern sollten, benötigen weiter viel externe Motivation. Allerdings hat sich insgesamt das Ernährungsbewusstsein doch erheblich verbessert.

Passiv war angesagt!
Die vorrangigen therapeutischen Maßnahmen in der Physikalischen Abteilung des Ärztlichen Dienstes bestanden in den 70er- und frühen 80er-Jahren in Inhalationen, Wärmeanwendungen, Massagen und Elektrotherapie sowie Wasseranwendungen in der Wannenabteilung (Stangerbad, Unterwassermassage, Vierzellenbad, medizinische Bäder, Kneipp`sche Güsse) und dem Bewegungsbad. Das Bewegungsbad (Wassertemperatur 33°) war mit einer Hebeeinrichtung und einer Transportliege ausgestattet, so dass den Rollstuhlfahrern ein leichtes Überwechseln ins Therapiebecken ermöglicht werden konnte. Insgesamt war das Therapiespektrum eher auf passive Maßnahmen aus Sicht der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden ausgerichtet, ergänzt durch allgemeine Gymnastikangebote. Die damals zu behandelnden Krankheitsbilder waren zu über 60 Prozent Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, der Rest verteilte sich auf andere somatische Krankheitsbilder, wie Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislaufsystems, des Verdauungsapparates und des zentralen Nervensystems. Psychische Krankheitsbilder wurden in den ersten Berichtsjahren gar nicht separat angegeben und finden sich erstmals 1980/81 in den Statistiken wieder, mit einem Anteil von gerade mal 2,5 Prozent.

Psychische Erkrankungen fordern Veränderung
In den späten 80er- und besonders in den 90-er Jahren kam dann aber Bewegung „ins Spiel“. Schon in dieser Zeit ließ sich eine Zunahme der psychischen Erkrankungen feststellen. Sie erreichten im Jahr 1994 erstmals die 10-Prozent-Marke. Seit diesem Jahr stehen diese Krankheitsbilder in der Häufigkeit der Ursachen für eine berufliche Neuorientierung durchgängig an zweiter Stelle – nach den Krankheitsbildern des Stütz- und Bewegungsapparates. Zunehmend wurden zur Stabilisierung des Gesundheitszustandes und Förderung der Behinderungsbewältigung sowie zur Prävention weiterer Einschränkungen bewusst vermehrt aktive Akzente in der Rehabilitation gesetzt. Neben dem Ausbau der Gruppengymnastikangebote und der Einführung von berufsbezogener Rückenschule für die  Rehabilitandinnen und Rehabilitanden in den Gärtnerberufen wurde auch in Zusammenarbeit zwischen dem Ärztlichen Dienst und der Ausbildung ein verpflichtendes Reha-Sport-Angebot für alle Teilnehmenden ins Ausbildungsgeschehen integriert.

Weg von der passiven Ausrichtung
Dieser Trend setzte sich auch nach der Jahrtausendwende weiter fort. So wurde 2001 ein zweiter Gymnastikraum eingerichtet. Die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden wurden in der Folge so früh wie möglich neben eventuell noch nötigen Passivtherapien an aktives Üben, medizinische Trainingstherapie und somit auch an eigenverantwortliche Behinderungsbewältigung herangeführt. Dies erforderte natürlich auch gute Information und Schulung der Teilnehmenden bezüglich der Erkrankungen und der Therapiemöglichkeiten durch die Ärzte und Therapeuten und schlug sich auch in der Veränderung der Personalstruktur nieder. Die Anzahl der Physiotherapeuten wurde auf zwei aufgestockt, im Gegenzug die Anzahl der Masseure und medizinischen Bademeister auf nur noch einen zurückgebaut und die beiden Badehelferstellen komplett aufgegeben. Wanne war gestern! Auch die Krankheitsbilder der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, die im BFW Nürnberg bisher in eine neue berufliche Zukunft starteten, veränderten sich immer weiter. Nahezu kontinuierlich kam es nach Erreichen der 20-Prozent-Marke im Jahr 2003 zu einem weiteren Anstieg der psychischen Krankheitsbilder bis auf heute über 40 Prozent (Reha-Hauptdiagnose) und bleibt nun schon seit mehreren Jahren auf diesem Niveau. Seit 2015 haben die psychischen Erkrankungen die Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates durchgängig von Platz eins der Reha-Gründe verdrängt, den diese seit Gründung des BFW Nürnberg innehatten. Unter Berücksichtigung der reha-relevanten Zusatzdiagnosen liegt der Anteil der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit einer psychischen Leistungseinschränkung inzwischen bei über 60 Prozent. Doch nicht nur die Verteilung der Krankheitsbilder hat sich über die Jahre verändert, auch die Schwere der psychischen aber auch der somatischen Erkrankungen und der Anteil an Teilnehmenden mit Mehrfachbehinderungen hat deutlich zugenommen.

Moderne Reha-Medizin – aktiv und eigenverantwortlich
Um all dem Rechnung zu tragen, und die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden in all ihren Belangen behinderungsgerecht behandeln, unterstützen und fördern zu können, haben sich auch die „Reha-Medizin“, wie der Ärztliche Dienst seit einigen Jahren offiziell heißt, und die dort agierenden Personen kontinuierlich weiterentwickelt. Längst sind die Wannenabteilung und das Bewegungsbad modernen, multifunktionell nutzbaren Physiotherapieräumen gewichen. Der ehemalige Fangoraum wurde zu einem medial gestützten Aktivraum umgebaut. Hier können die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden nach fachkundiger Anleitung und Einweisung gezielt und eigenverantwortlich an der Verbesserung ihrer Funktionseinschränkungen arbeiten, unterstützt durch Schulungsvideos, die über den großen Wandmonitor je nach Bedarf abgerufen werden können.  Auch in der ärztlichen Versorgung hat sich viel getan. Neben der nach wie vor, aufgrund der Schwere der somatischen Krankheitsbilder und der Mitbetreuung interkurrenter Erkrankungen, dringend nötigen allgemeinmedizinisch-internistischen Kompetenz wird das Ärzteteam durch zwei Psychiater unterstützt. Sie stellen im Rahmen von festen Sprechstunden, aber auch in Konsiliaruntersuchungen und Assessmentbegutachtungen, eine hohe Versorgungsqualität auch für psychisch vorerkrankte Teilnehmende sicher. Alle Ärzte haben eine Qualifikation in psychosomatischer Versorgung und Gesprächsführung. Zudem wurde die Zusammenarbeit mit der Reha-Psychologie, den Kolleginnen und Kollegen aus Reha- und Integrationsmanagement und der Ausbildung immer wichtiger, um den komplexen Förder- und Betreuungsbedürfnissen der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden gerecht werden zu können. Heute ist die „Reha-Medizin“ eine modern ausgestattete Praxis mit vielfältigen Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten für somatische und psychische Krankheitsbilder. Neben den gängigen Ausstattungen einer guten allgemeinmedizinischen Praxis wie Blutdruckmessung, EKG, Lungenfunktion und Sonographie können unter anderem Langzeitblutdruckmessungen, Seh- und Hörtests, Laboruntersuchungen einschließlich Drogenscreenings und demnächst ein Schlafapnoescreening durchgeführt werden. Zu den üblichen Behandlungsmöglichkeiten – erweitert um eine Schmerztherapie mittels Optonlaser – wurden sukzessiv auch spezielle Therapiemöglichkeiten für psychische Erkrankungen etabliert. So können Rehabilitandinnen und Rehabilitanden schon seit 2008 ein Lichttherapiegerät zur Behandlung bestimmter Formen der Depression nutzen. Bei entsprechender Indikation und nach Schulung kann auch ein Boxsack zum Abbau und zur Regulation von beispielsweise aggressiven Emotionen eingesetzt werden. Auch die Angebote der Physikalischen Therapie berücksichtigen zunehmend die Bedürfnisse der Teilnehmenden bei psychischen Erkrankungen. Neben Förderung der körperlichen Aktivität und Ausdauer kommen auch „spaß- und freudefördernde“ Therapieformen mit Musik und Tanz, das „Auspowern“ auf dem Trampolin, die Förderung des Körperbewusstseins und auch Entspannungsmethoden wie Klangschalentherapie zum Einsatz. 

Wanne war gestern!
Nicht wegzudenken aber sind nach wie vor Massagen und zwar nicht nur in akuten Stadien muskuloskelettärer Krankheitsbilder. Zunehmend Bedeutung erlangen Massagen auch in der Behandlung psychischer Krankheitsbilder, wie zum Beispiel als Therapieergänzung und zur Verbesserung der Körperwahrnehmung bei Depressionen oder Angststörungen. Die neue Reha-Medizin? Aktiv!

 Dr. Angelika Hausmann Leiterin Reha-Medizin

Ausbildung 4.0
Digitalisierung und Industrie 4.0 sind zurzeit in fast jeder Branche ein wichtiges Thema, gerade auch im Bildungsbereich. Gibt man bei Google den Begriff „Digitalisierung“ ein, so werden bereits 12.100.000 Eintragungen angezeigt. Es gibt also viele Ausarbeitungen, Berichte, Bücher, Diskussionsrunden, Veranstaltungen und Definitionen zu diesen Themen. Auch das BFW Nürnberg beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit dieser vierten Industrierevolution.

Weiterlesen!

Ausbildung 4.0

Digitalisierung und Industrie 4.0 sind zurzeit in fast jeder Branche ein wichtiges Thema, gerade auch im Bildungsbereich. Gibt man bei Google den Begriff „Digitalisierung“ ein, so werden bereits 12.100.000 Eintragungen angezeigt. Es gibt also viele Ausarbeitungen, Berichte, Bücher, Diskussionsrunden, Veranstaltungen und Definitionen zu diesen Themen. Auch das BFW Nürnberg beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit dieser vierten Industrierevolution.

Dabei wird das Ziel der Industrie 4.0, die Wirtschaftsleistung zu erhöhen, übereinstimmend definiert. Die Abstände zwischen den industriellen Revolutionen werden allerdings immer kürzer. Während zwischen der ersten und der zweiten industriellen Neuordnung noch etwas mehr als 100 Jahren lagen, vergingen von der zweiten zur dritten nur noch ungefähr halb so viele Jahre. Deshalb müssen die Chancen aber auch die Gefahren der zukünftigen Arbeitswelt 4.0 genau analysiert und diskutiert werden, um gegebenenfalls Schritte einzuleiten, welche die Risiken verringern. Um die nötigen Veränderungen besser bewerten zu können, gehen die Experten von verschiedenen Szenarien aus.


Die moderne Arbeitswelt wird offener, schneller und weniger berechenbar sein. Die Arbeit wird immer weniger trennbar von der Freizeit sein. Der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin sucht immer mehr nach der Sinnhaftigkeit in der Arbeit. Die menschliche Arbeitskraft wird durch künstliche Intelligenz, lernende Maschinen und Robotertechnik ersetzt, wo der Mensch bisher unersetzlich schien. Gerade durch den damit verbundenen Verlust von bestimmten Arbeitsplätzen ist es wichtig, eine gesamtwirtschaftliche Diskussion zu führen, da sonst viele Verlierer durch die Industrie 4.0 zu erwarten sind.

Und doch sind für die heutige und zukünftige Arbeitswelt 4.0 mehr Chancen für den Einzelnen als je zuvor zu erwarten! Unternehmen, die sich bereits im Umbau zu Industrie 4.0 oder der Digitalisierung befinden, laufen dabei oft in zwei Geschwindigkeiten. Es gibt dabei auf der einen Seite die Innovatoren und auf der anderen Seite die Bewahrer. Deshalb haben die Führungskräfte hier eine wichtige Vorbildfunktion und sind gefordert, über diese Themen in den eigenen Unternehmen zu informieren, diese zu fördern, zu denken und zu platzieren. Denn gerade bei der Vorstellung über die Zukunft stellt sich eine große Faszination über die Möglichkeiten der Technik ein – aber auch eine „diffuse Angst“. Gerade deshalb müssen wir für die anstehenden Veränderungen auch die richtigen Fragen stellen, um das Berufsförderungswerk Nürnberg für die nächsten 40 Jahre fit zu machen.

 

Fragestellungen für das BFW Nürnberg


Die Digitalisierung stellt die Qualifizierung vor neue Aufgaben. Reha-Ausbilderinnen und Reha-Ausbilder müssen hierfür geschult und vom Veränderungsbedarf in der Ausbildung überzeugt werden. Die Digitalisierung der Arbeitswelt stellt das BFW Nürnberg vor neue Aufgaben. Ausgehend von fünf Leitfragen müssen Lösungen entwickelt werden:


1. Welche Kompetenzen brauchen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden?
2. Welche Kompetenzen brauchen die Reha-Ausbilder und -Ausbilderinnen?
3. Wie muss die Qualifizierung methodisch entwickelt werden?
4. Wo muss sich das BFW Nürnberg weiterentwickeln?
5. Wie sieht das zukünftige Verhältnis von Aus- und Weiterbildung aus?


Dabei gilt es, neue Möglichkeiten, die sich durch die Digitalisierung ergeben, auch für die Qualifizierung sinnvoll einzusetzen – beispielsweise durch Systeme, welche die Ausbilder bei ihrer Arbeit unterstützen und Informationen sowie Wissen bei Bedarf vor Ort zur Verfügung stellen. Diese Möglichkeiten müssen methodisch und didaktisch in den Qualifizierungskonzepten eingebunden werden. Dabei sollen aber auch die Vorteile der Menschen gegenüber den Maschinen verstärkt gefördert werden, um weiterhin eine erfolgreiche Integration zu gewährleisten. 

 


Unsere Vorteile gegenüber der Maschine


Kreativität Empathie Ganzheitliches Denken Durch diese Zukunftsperspektiven ergeben sich die folgenden Veränderungsbedarfe:


1. Die Qualifizierung benötigt ein weitaus höheres Maß an Interdisziplinarität über alle Berufsgruppen hinweg, die dabei eine stärkere Individualisierung aufweisen.
2. Betriebe und das BFW Nürnberg wachsen enger zusammen und kooperieren auf gemeinsamen Lernplattformen und in gemeinsamen Projekten.
3. Die betriebliche Aus- und Weiterbildung wird enger verzahnt, da sich ein ganzheitliches Verständnis von Beruflichkeit entlang der gesamten Qualifizierung entwickelt.
4. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mit noch mehr Heterogenität umgehen müssen und einem damit verbundenen häufigeren Rollenwechsel.
5. Von den Rehabilitandinnen und Rehabilitanden wird die Bereitschaft zu noch mehr Eigen- und Projektverantwortung erwartet.

 

Erfolgreich in die Zukunft


Das BFW Nürnberg hat bereits 2011 diesen Veränderungsbedarf erkannt und wichtige Change Prozesse durchgeführt. So wurden die Qualifizierungskonzepte auf die Ressourcenorientierung ausgerichtet und dadurch eine bessere Individualisierung erreicht. Die Anpassung neuer Methoden und die Einführung einer eigenen Lernplattform führten zur Erweiterung des Selbstmanagements und der Verbesserung der Medienkompetenz.


Die Handlungsorientierte Ausbildung gibt hierbei den nötigen Spielraum und gleichzeitig den benötigten Praxisbezug. Des Weiteren werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die neuen Technologien und Anforderungen qualifiziert. Durch gezielte Unternehmenskooperationen wird die Ausbildung auf die Arbeitswelt 4.0 angeglichen. Neue zukunftsträchtige Berufsbilder wie z. B. die Kaufleute für E-Commerce werden eingeführt. Hierfür wird eine moderne, zeitgemäße technische Infrastruktur im BFW Nürnberg (WLAN , Smartphones, Tablet, Lern- und Info-Apps) hergestellt und betreut.

Erste Erfahrungen machen wir hier mit dem Einsatz von Tablets in der Qualifizierung der Gärtnerberufe. Diese seit 2011 umgesetzten Prozesse und Konzepte sind eine gute Basis, um die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden frühzeitig auf die kommende Digitalisierung und Industrie 4.0 vorzubereiten. Doch dies bleibt ein laufender Prozess, welcher immer wieder angepasst werden muss, um für die weiteren anstehenden Fragen und Herausforderungen Lösungen zu finden. Durch diese zielgerichtete Vorgehensweise wird das Berufsförderungswerk Nürnberg, gemeinsam mit seinen Partnern auch die weitere Zukunft erfolgreich gestalten.

 

Udo Panzer Leiter Geschäftsfeld Qualifizierung und Integration