Pressetext:
25. November 2009
Mehr Bildung als erwartet
EU-Projekt COMET erforscht den Bildungs- und Erfahrungsstand älterer Mitarbeiterinnen und MitarbeiterEU-weite Projektleitung im Berufsförderungswerk Nürnberg
Kontakt: Heinrich Möthe, Tel. 0170 9598882
Nürnberg – Ziel ist, die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer zu sichern: Dazu hat das Berufsförderungswerk Nürnberg die Leitung eines Entwicklungsprojektes der Europäischen Union übernommen. Das Projekt trägt die Bezeichnung COMET und stellt den Erhalt von Arbeitsplätzen besonders bei niedriger qualifizierten Beschäftigten im produzierenden Gewerbe in den Mittelpunkt. COMET steht für Competence Measuring and Training und ist Teil des Programms für lebenslanges Lernen der EU. An dem Projekt arbeiten neben dem Berufsförderungswerk Nürnberg Bildungseinrichtungen aus Spanien, Italien, Dänemark sowie das Esta-Bildungswerk aus Bielefeld mit. Vor kurzem hat im Berufsförderungswerk Nürnberg der offizielle Auftaktworkshop zu COMET stattgefunden.
Projektleiter Heinrich Möthe vom Berufsförderungswerk Nürnberg erklärt die Zusammenhänge: „Wir wollen gemeinsam ein Werkzeug entwickeln, mit dessen Hilfe kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) den Bildungsstand von eher niedriger qualifizierten Arbeitnehmern erkennen können.“
In den meisten Fällen, so Möthe weiter, haben sich auch – auf den ersten Blick – wenig qualifizierte Beschäftigte über die Jahre hinweg ein durchaus beachtliches berufliches Wissen angeeignet. Das Problem dabei ist, das diese Fähigkeiten in Personalakten nur schwer hinterlegt werden können. Während Schulabschlüsse durch Zeugnisse dokumentiert sind und formale Unterweisungen von Vorgesetzten bezeugt werden können, fehlt bei beim großen Schatz an beruflicher Lebenserfahrung schlichtweg der Nachweis. Hinzu kommt, dass die Aussagekraft von lang zurückliegenden Bildungsabschlüssen über die Jahre geringer wird. Oft sind sich aber auch die Kompetenzträger selbst nicht einmal darüber im Klaren, welches Know-how sie eigentlich vorweisen können. Folglich können sie auch nicht mit ihren Fähigkeiten werben.
Dieses Problem wirkt sich auch auf die Personalentwicklung aus: Die Anpassung von betriebsnotwendigen Qualifikationen ist nur möglich, wenn bekannt ist, was eine Person bereits kann und was nicht. Da aber die Personalakte der sogenannten „bildungsfernen“ Personen in dieser Hinsicht nicht viel hergibt, geraten Menschen mit wenig formalen Bildungsabschlüssen besonders in höherem Alter schnell aufs Abstellgleis.
Und genau das will das Projekt COMET verhindern. Die schwer fassbaren Kompetenzen von den betroffenen Arbeiterinnen und Arbeitern sollen greifbar werden.
Das ist leichter gesagt als getan. Dazu Heinrich Möthe: „Die Werkzeuge zur Erhebung dieser informellen Qualifikationen müssen von den Arbeitgebern ohne großen Aufwand eingesetzt werden können. Und für die betroffenen Arbeitskräfte darf es nicht zur Belastung werden oder gar Ängste auslösen, wenn sie plötzlich einem Test unterzogen werden.“
Die Messlatte liegt also hoch. Erfahrungen in der Weiterbildung von älteren Beschäftigten sammeln das Berufsförderungswerk Nürnberg wie auch die Projektpartner schon seit vielen Jahren. Erst im Sommer haben Heinrich Möthe und seine Kollegin Lilli Mayerhofer im Rahmen des EU-Projektes Perfect50+ eine Seminarreihe für Personalverantwortliche entwickelt und durchgeführt. Thema war ebenfalls der alternsgerechte Umgang mit Beschäftigten.
Die Erhebungsmethode, die jetzt im Rahmen von COMET erarbeitet wird, soll in allen Kulturkreisen der Europäischen Union einsetzbar oder dorthin übertragbar sein.

